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		<title>Josef Bovshover</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Die Kugelgießer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, verträumt,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 51&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 116&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Liebeslieder===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:doch ich weiß nicht wie.&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:und tut mir doch so weh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihr reiner Blick erschreckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh;&lt;br /&gt;
:ein kalter Schweiß bedeckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Was willst du Liebste haben?&lt;br /&gt;
:Was meint dein wirrer Blick?&lt;br /&gt;
:Wo soll ich mich begraben ?&lt;br /&gt;
:Vor Freude, Lust und Glück?&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 88&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kugelgießer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Achtzehnhundertachtundvierzig - &lt;br /&gt;
:„Michel“ ist zum Held geworden!&lt;br /&gt;
:Deutschlands Michel ist ein Kämpfer&lt;br /&gt;
:und er kämpft mit Mut und Zorn!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Seine langen Eselsohren&lt;br /&gt;
:hat er plötzlich eingezogen&lt;br /&gt;
:und den ehrlich braven Rücken,&lt;br /&gt;
:hat er endlich ausgestreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und er kämpft auf Barrikaden&lt;br /&gt;
:denn zu schwer ists ihm zu tragen&lt;br /&gt;
:seines „Vaterlandes“ Lasten,&lt;br /&gt;
:und die Feinde fallen, fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und – oh Freude! Im Getümmel,&lt;br /&gt;
:in dem Lärmen und dem Sturm&lt;br /&gt;
:stehen Kinder und sie gießen,&lt;br /&gt;
:gießen Kohlen in die Form.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für die Freiheit, für die Kämpfer,&lt;br /&gt;
:für den Vater, für die Brüder,&lt;br /&gt;
:darf die Kohle nicht verglühen&lt;br /&gt;
:und sie schütten immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Backen glühen, Stirne schwitzen&lt;br /&gt;
:Augen glitzern tief begeistert;&lt;br /&gt;
:alle heilen, munter fleißig,&lt;br /&gt;
:gearbeitet wird meisterlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Holz hierher“ schreit aus einer,&lt;br /&gt;
:und das Feuer flackert heller,&lt;br /&gt;
:und der Kampf brennt stärker, stärker&lt;br /&gt;
:und die Kohlen brennen schneller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kleine Helden, Kugelgießer,&lt;br /&gt;
:welche wunderschöne Szene! &lt;br /&gt;
:Oh, wie wollt ich drücken, kosen,&lt;br /&gt;
:kluge Kinder, so wie jene!...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vor den falschen Hexenmärchen&lt;br /&gt;
:pflegten sie sich zu erschrecken&lt;br /&gt;
:und bei Nacht rannten die Kinder&lt;br /&gt;
:in die Küche zum verstecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber jetzt, wenn ihre Väter&lt;br /&gt;
:mutig in dem Feuer stehen&lt;br /&gt;
:wird auch in den kleinen Kinder&lt;br /&gt;
:der freie Geist aufgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fünfundfünzig lange Jahre&lt;br /&gt;
:sind schon seit der Zeit vergangen&lt;br /&gt;
:doch der Kampf ist nicht beendet,&lt;br /&gt;
:neue Kämpfer werden kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber ihr, ihr Sklaveneltern,&lt;br /&gt;
:zeigt den Kindern frei zu sein.&lt;br /&gt;
:Brave Freiheitskämpfer sind&lt;br /&gt;
:der Erziehung höchster Preis!&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 106&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prosa: Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie, 2. Bd., 2. Aufl, New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13754</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13754"/>
				<updated>2015-03-20T19:13:36Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Die letzten Tage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftet. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse des Gedichts ''Meyn tsvah'' (dt.: Mein letzter Wille).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915), der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo'' das Amt. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beiden Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Im Gegensatz zur sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekommt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
*[http://archives.savethemusic.com/bin/archives.cgi?q=songs&amp;amp;search=composer&amp;amp;id=David+Edelshtat Musik auf archive.org]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13753</id>
		<title>David Edelstadt</title>
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				<updated>2015-03-20T19:12:59Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Di vahrheyt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse des Gedichts ''Meyn tsvah'' (dt.: Mein letzter Wille).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915), der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo'' das Amt. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beiden Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Im Gegensatz zur sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekommt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
*[http://archives.savethemusic.com/bin/archives.cgi?q=songs&amp;amp;search=composer&amp;amp;id=David+Edelshtat Musik auf archive.org]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13752</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13752"/>
				<updated>2015-03-20T19:02:16Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* März Gedanken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, verträumt,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 51&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 116&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Liebeslieder===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:doch ich weiß nicht wie.&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:und tut mir doch so weh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihr reiner Blick erschreckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh;&lt;br /&gt;
:ein kalter Schweiß bedeckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Was willst du Liebste haben?&lt;br /&gt;
:Was meint dein wirrer Blick?&lt;br /&gt;
:Wo soll ich mich begraben ?&lt;br /&gt;
:Vor Freude, Lust und Glück?&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 88&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kugelgießer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Achtzehnhundertachtundvierzig - &lt;br /&gt;
:„Michel“ ist zum Held geworden!&lt;br /&gt;
:Deutschlands Michel ist ein Kämpfer&lt;br /&gt;
:und er kämpft mit Mut und Zorn!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Seine langen Eselsohren&lt;br /&gt;
:hat er plötzlich eingezogen&lt;br /&gt;
:und den ehrlich braven Rücken,&lt;br /&gt;
:hat er endlich ausgestreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und er kämpft auf Barrikaden&lt;br /&gt;
:denn zu schwer ists ihm zu tragen&lt;br /&gt;
:seines „Vaterlandes“ Lasten,&lt;br /&gt;
:und die Feinde fallen, fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und – oh Freude! Im Getümmel,&lt;br /&gt;
:in dem Lärmen und dem Sturm&lt;br /&gt;
:stehen Kinder und sie gießen,&lt;br /&gt;
:gießen Kohlen in die Form.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für die Freiheit, für die Kämpfer,&lt;br /&gt;
:für den Vater, für die Brüder,&lt;br /&gt;
:darf die Kohle nicht verglühen&lt;br /&gt;
:und sie schütten immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Backen glühen, Stirne schwitzen&lt;br /&gt;
:Augen glitzern tief begeistert;&lt;br /&gt;
:alle heilen, munter fleißig,&lt;br /&gt;
:gearbeitet wird meisterlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Holz hierher“ schreit aus einer,&lt;br /&gt;
:und das Feuer flackert heller,&lt;br /&gt;
:und der Kampf brennt stärker, stärker&lt;br /&gt;
:und die Kohlen brennen schneller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kleine Helden, Kugelgießer,&lt;br /&gt;
:welche wunderschöne Szene! &lt;br /&gt;
:Oh, wie wollt ich drücken, kosen,&lt;br /&gt;
:kluge Kinder, so wie jene!...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vor den falschen Hexenmärchen&lt;br /&gt;
:pflegten sie sich zu erschrecken&lt;br /&gt;
:und bei Nacht rannten die Kinder&lt;br /&gt;
:in die Küche zum verstecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber jetzt, wenn ihre Väter&lt;br /&gt;
:mutig in dem Feuer stehen&lt;br /&gt;
:wird auch in den kleinen Kinder&lt;br /&gt;
:der freie Geist erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fünfundfünzig lange Jahre&lt;br /&gt;
:sind schon seit der Zeit vergangen&lt;br /&gt;
:doch der Kampf ist nicht beendet,&lt;br /&gt;
:neue Kämpfer werden kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber ihr, ihr Sklaveneltern,&lt;br /&gt;
:zeigt den Kindern frei zu sein.&lt;br /&gt;
:Brave Freiheitskämpfer sind&lt;br /&gt;
:der Erziehung höchster Preis!&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 106&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prosa: Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie, 2. Bd., 2. Aufl, New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13723</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
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				<updated>2015-02-22T14:55:15Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 51&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 116&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Liebeslieder===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:doch ich weiß nicht wie.&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:und tut mir doch so weh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihr reiner Blick erschreckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh;&lt;br /&gt;
:ein kalter Schweiß bedeckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Was willst du Liebste haben?&lt;br /&gt;
:Was meint dein wirrer Blick?&lt;br /&gt;
:Wo soll ich mich begraben ?&lt;br /&gt;
:Vor Freude, Lust und Glück?&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 88&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kugelgießer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Achtzehnhundertachtundvierzig - &lt;br /&gt;
:„Michel“ ist zum Held geworden!&lt;br /&gt;
:Deutschlands Michel ist ein Kämpfer&lt;br /&gt;
:und er kämpft mit Mut und Zorn!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Seine langen Eselsohren&lt;br /&gt;
:hat er plötzlich eingezogen&lt;br /&gt;
:und den ehrlich braven Rücken,&lt;br /&gt;
:hat er endlich ausgestreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und er kämpft auf Barrikaden&lt;br /&gt;
:denn zu schwer ists ihm zu tragen&lt;br /&gt;
:seines „Vaterlandes“ Lasten,&lt;br /&gt;
:und die Feinde fallen, fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und – oh Freude! Im Getümmel,&lt;br /&gt;
:in dem Lärmen und dem Sturm&lt;br /&gt;
:stehen Kinder und sie gießen,&lt;br /&gt;
:gießen Kohlen in die Form.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für die Freiheit, für die Kämpfer,&lt;br /&gt;
:für den Vater, für die Brüder,&lt;br /&gt;
:darf die Kohle nicht verglühen&lt;br /&gt;
:und sie schütten immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Backen glühen, Stirne schwitzen&lt;br /&gt;
:Augen glitzern tief begeistert;&lt;br /&gt;
:alle heilen, munter fleißig,&lt;br /&gt;
:gearbeitet wird meisterlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Holz hierher“ schreit aus einer,&lt;br /&gt;
:und das Feuer flackert heller,&lt;br /&gt;
:und der Kampf brennt stärker, stärker&lt;br /&gt;
:und die Kohlen brennen schneller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kleine Helden, Kugelgießer,&lt;br /&gt;
:welche wunderschöne Szene! &lt;br /&gt;
:Oh, wie wollt ich drücken, kosen,&lt;br /&gt;
:kluge Kinder, so wie jene!...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vor den falschen Hexenmärchen&lt;br /&gt;
:pflegten sie sich zu erschrecken&lt;br /&gt;
:und bei Nacht rannten die Kinder&lt;br /&gt;
:in die Küche zum verstecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber jetzt, wenn ihre Väter&lt;br /&gt;
:mutig in dem Feuer stehen&lt;br /&gt;
:wird auch in den kleinen Kinder&lt;br /&gt;
:der freie Geist erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fünfundfünzig lange Jahre&lt;br /&gt;
:sind schon seit der Zeit vergangen&lt;br /&gt;
:doch der Kampf ist nicht beendet,&lt;br /&gt;
:neue Kämpfer werden kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber ihr, ihr Sklaveneltern,&lt;br /&gt;
:zeigt den Kindern frei zu sein.&lt;br /&gt;
:Brave Freiheitskämpfer sind&lt;br /&gt;
:der Erziehung höchster Preis!&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 106&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prosa: Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie, 2. Bd., 2. Aufl, New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13722</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13722"/>
				<updated>2015-02-22T14:37:52Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Quellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 51&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 116&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Liebeslieder===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:doch ich weiß nicht wie.&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:und tut mir doch so weh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihr reiner Blick erschreckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh;&lt;br /&gt;
:ein kalter Schweiß bedeckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Was willst du Liebste haben?&lt;br /&gt;
:Was meint dein wirrer Blick?&lt;br /&gt;
:Wo soll ich mich begraben ?&lt;br /&gt;
:Vor Freude, Lust und Glück?&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 88&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kugelgießer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Achtzehnhundertachtundvierzig - &lt;br /&gt;
:„Michel“ ist zum Held geworden!&lt;br /&gt;
:Deutschlands Michel ist ein Kämpfer&lt;br /&gt;
:und er kämpft mit Mut und Zorn!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Seine langen Eselsohren&lt;br /&gt;
:hat er plötzlich eingezogen&lt;br /&gt;
:und den ehrlich braven Rücken,&lt;br /&gt;
:hat er endlich ausgestreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und er kämpft auf Barrikaden&lt;br /&gt;
:denn zu schwer ists ihm zu tragen&lt;br /&gt;
:seines „Vaterlandes“ Lasten,&lt;br /&gt;
:und die Feinde fallen, fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und – oh Freude! Im Getümmel,&lt;br /&gt;
:in dem Lärmen und dem Sturm&lt;br /&gt;
:stehen Kinder und sie gießen,&lt;br /&gt;
:gießen Kohlen in die Form.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für die Freiheit, für die Kämpfer,&lt;br /&gt;
:für den Vater, für die Brüder,&lt;br /&gt;
:darf die Kohle nicht verglühen&lt;br /&gt;
:und sie schütten immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Backen glühen, Stirne schwitzen&lt;br /&gt;
:Augen glitzern tief begeistert;&lt;br /&gt;
:alle heilen, munter fleißig,&lt;br /&gt;
:gearbeitet wird meisterlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Holz hierher“ schreit aus einer,&lt;br /&gt;
:und das Feuer flackert heller,&lt;br /&gt;
:und der Kampf brennt stärker, stärker&lt;br /&gt;
:und die Kohlen brennen schneller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kleine Helden, Kugelgießer,&lt;br /&gt;
:welche wunderschöne Szene! &lt;br /&gt;
:Oh, wie wollt ich drücken, kosen,&lt;br /&gt;
:kluge Kinder, so wie jene!...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vor den falschen Hexenmärchen&lt;br /&gt;
:pflegten sie sich zu erschrecken&lt;br /&gt;
:und bei Nacht rannten die Kinder&lt;br /&gt;
:in die Küche zum verstecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber jetzt, wenn ihre Väter&lt;br /&gt;
:mutig in dem Feuer stehen&lt;br /&gt;
:wird auch in den kleinen Kinder&lt;br /&gt;
:der freie Geist erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fünfundfünzig lange Jahre&lt;br /&gt;
:sind schon seit der Zeit vergangen&lt;br /&gt;
:doch der Kampf ist nicht beendet,&lt;br /&gt;
:neue Kämpfer werden kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber ihr, ihr Sklaveneltern,&lt;br /&gt;
:zeigt den Kindern frei zu sein.&lt;br /&gt;
:Brave Freiheitskämpfer sind&lt;br /&gt;
:der Erziehung höchster Preis!&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 106&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prosa: Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. Bd. 2, 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13721</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
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				<updated>2015-02-22T14:35:45Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Gedichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 51&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 116&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Liebeslieder===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:doch ich weiß nicht wie.&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:und tut mir doch so weh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihr reiner Blick erschreckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh;&lt;br /&gt;
:ein kalter Schweiß bedeckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Was willst du Liebste haben?&lt;br /&gt;
:Was meint dein wirrer Blick?&lt;br /&gt;
:Wo soll ich mich begraben ?&lt;br /&gt;
:Vor Freude, Lust und Glück?&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 88&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kugelgießer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Achtzehnhundertachtundvierzig - &lt;br /&gt;
:„Michel“ ist zum Held geworden!&lt;br /&gt;
:Deutschlands Michel ist ein Kämpfer&lt;br /&gt;
:und er kämpft mit Mut und Zorn!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Seine langen Eselsohren&lt;br /&gt;
:hat er plötzlich eingezogen&lt;br /&gt;
:und den ehrlich braven Rücken,&lt;br /&gt;
:hat er endlich ausgestreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und er kämpft auf Barrikaden&lt;br /&gt;
:denn zu schwer ists ihm zu tragen&lt;br /&gt;
:seines „Vaterlandes“ Lasten,&lt;br /&gt;
:und die Feinde fallen, fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und – oh Freude! Im Getümmel,&lt;br /&gt;
:in dem Lärmen und dem Sturm&lt;br /&gt;
:stehen Kinder und sie gießen,&lt;br /&gt;
:gießen Kohlen in die Form.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für die Freiheit, für die Kämpfer,&lt;br /&gt;
:für den Vater, für die Brüder,&lt;br /&gt;
:darf die Kohle nicht verglühen&lt;br /&gt;
:und sie schütten immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Backen glühen, Stirne schwitzen&lt;br /&gt;
:Augen glitzern tief begeistert;&lt;br /&gt;
:alle heilen, munter fleißig,&lt;br /&gt;
:gearbeitet wird meisterlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Holz hierher“ schreit aus einer,&lt;br /&gt;
:und das Feuer flackert heller,&lt;br /&gt;
:und der Kampf brennt stärker, stärker&lt;br /&gt;
:und die Kohlen brennen schneller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kleine Helden, Kugelgießer,&lt;br /&gt;
:welche wunderschöne Szene! &lt;br /&gt;
:Oh, wie wollt ich drücken, kosen,&lt;br /&gt;
:kluge Kinder, so wie jene!...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vor den falschen Hexenmärchen&lt;br /&gt;
:pflegten sie sich zu erschrecken&lt;br /&gt;
:und bei Nacht rannten die Kinder&lt;br /&gt;
:in die Küche zum verstecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber jetzt, wenn ihre Väter&lt;br /&gt;
:mutig in dem Feuer stehen&lt;br /&gt;
:wird auch in den kleinen Kinder&lt;br /&gt;
:der freie Geist erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fünfundfünzig lange Jahre&lt;br /&gt;
:sind schon seit der Zeit vergangen&lt;br /&gt;
:doch der Kampf ist nicht beendet,&lt;br /&gt;
:neue Kämpfer werden kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber ihr, ihr Sklaveneltern,&lt;br /&gt;
:zeigt den Kindern frei zu sein.&lt;br /&gt;
:Brave Freiheitskämpfer sind&lt;br /&gt;
:der Erziehung höchster Preis!&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 106&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prosa: Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13720</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
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				<updated>2015-02-22T14:23:30Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Die Kugelgießer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Liebeslieder===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:doch ich weiß nicht wie.&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:und tut mir doch so weh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihr reiner Blick erschreckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh;&lt;br /&gt;
:ein kalter Schweiß bedeckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Was willst du Liebste haben?&lt;br /&gt;
:Was meint dein wirrer Blick?&lt;br /&gt;
:Wo soll ich mich begraben ?&lt;br /&gt;
:Vor Freude, Lust und Glück?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kugelgießer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Achtzehnhundertachtundvierzig - &lt;br /&gt;
:„Michel“ ist zum Held geworden!&lt;br /&gt;
:Deutschlands Michel ist ein Kämpfer&lt;br /&gt;
:und er kämpft mit Mut und Zorn!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Seine langen Eselsohren&lt;br /&gt;
:hat er plötzlich eingezogen&lt;br /&gt;
:und den ehrlich braven Rücken,&lt;br /&gt;
:hat er endlich ausgestreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und er kämpft auf Barrikaden&lt;br /&gt;
:denn zu schwer ists ihm zu tragen&lt;br /&gt;
:seines „Vaterlandes“ Lasten,&lt;br /&gt;
:und die Feinde fallen, fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und – oh Freude! Im Getümmel,&lt;br /&gt;
:in dem Lärmen und dem Sturm&lt;br /&gt;
:stehen Kinder und sie gießen,&lt;br /&gt;
:gießen Kohlen in die Form.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für die Freiheit, für die Kämpfer,&lt;br /&gt;
:für den Vater, für die Brüder,&lt;br /&gt;
:darf die Kohle nicht verglühen&lt;br /&gt;
:und sie schütten immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Backen glühen, Stirne schwitzen&lt;br /&gt;
:Augen glitzern tief begeistert;&lt;br /&gt;
:alle heilen, munter fleißig,&lt;br /&gt;
:gearbeitet wird meisterlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Holz hierher“ schreit aus einer,&lt;br /&gt;
:und das Feuer flackert heller,&lt;br /&gt;
:und der Kampf brennt stärker, stärker&lt;br /&gt;
:und die Kohlen brennen schneller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kleine Helden, Kugelgießer,&lt;br /&gt;
:welche wunderschöne Szene! &lt;br /&gt;
:Oh, wie wollt ich drücken, kosen,&lt;br /&gt;
:kluge Kinder, so wie jene!...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vor den falschen Hexenmärchen&lt;br /&gt;
:pflegten sie sich zu erschrecken&lt;br /&gt;
:und bei Nacht rannten die Kinder&lt;br /&gt;
:in die Küche zum verstecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber jetzt, wenn ihre Väter&lt;br /&gt;
:mutig in dem Feuer stehen&lt;br /&gt;
:wird auch in den kleinen Kinder&lt;br /&gt;
:der freie Geist erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fünfundfünzig lange Jahre&lt;br /&gt;
:sind schon seit der Zeit vergangen&lt;br /&gt;
:doch der Kampf ist nicht beendet,&lt;br /&gt;
:neue Kämpfer werden kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber ihr, ihr Sklaveneltern,&lt;br /&gt;
:zeigt den Kindern frei zu sein.&lt;br /&gt;
:Brave Freiheitskämpfer sind&lt;br /&gt;
:der Erziehung höchster Preis!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prosa: Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13719</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13719"/>
				<updated>2015-02-22T14:21:29Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Die Kugelgießer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Liebeslieder===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:doch ich weiß nicht wie.&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:und tut mir doch so weh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihr reiner Blick erschreckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh;&lt;br /&gt;
:ein kalter Schweiß bedeckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Was willst du Liebste haben?&lt;br /&gt;
:Was meint dein wirrer Blick?&lt;br /&gt;
:Wo soll ich mich begraben ?&lt;br /&gt;
:Vor Freude, Lust und Glück?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kugelgießer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Achtzehnhundertachtundvierzig - &lt;br /&gt;
:„Michel“ ist zum Held geworden!&lt;br /&gt;
:Deutschlands Michel ist ein Kämpfer&lt;br /&gt;
:und er kämpft mit Mut und Zorn!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Seine langen Eselsohren&lt;br /&gt;
:hat er plötzlich eingezogen&lt;br /&gt;
:und den ehrlich braven Rücken,&lt;br /&gt;
:hat er endlich ausgestreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und er kämpft auf Barrikaden&lt;br /&gt;
:denn zu schwer ists ihm zu tragen&lt;br /&gt;
:seines „Vaterlandes“ Lasten,&lt;br /&gt;
:und die Feinde fallen, fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und – oh Freude! Im Getümmel,&lt;br /&gt;
:in dem Lärmen und dem Sturm&lt;br /&gt;
:stehen Kinder und sie gießen&lt;br /&gt;
:gießen Kohlen in die Form.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für die Freiheit, für die Kämpfer&lt;br /&gt;
:für den Vater, für die Brüder,&lt;br /&gt;
:darf die Kohle nicht verglühen&lt;br /&gt;
:und sie schütten immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Backen glühen, Stirne schwitzen&lt;br /&gt;
:Augen glitzern tief begeistert;&lt;br /&gt;
:alle heilen, munter fleißig,&lt;br /&gt;
:gearbeitet wird meisterlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Holz hierher“ schreit aus einer,&lt;br /&gt;
:und das Feuer flackert heller,&lt;br /&gt;
:und der Kampf brennt stärker, stärker&lt;br /&gt;
:und die Kohlen brennen schneller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kleine Helden, Kugelgießer,&lt;br /&gt;
:welche wunderschöne Szene! &lt;br /&gt;
:Oh, wie wollt ich drücken, kosen&lt;br /&gt;
:kluge Kinder, so wie jene!...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vor den falschen Hexenmärchen&lt;br /&gt;
:pflegten sie sich zu erschrecken&lt;br /&gt;
:und bei Nacht rannten die Kinder&lt;br /&gt;
:in die Küche zum verstecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber jetzt, wenn ihre Väter&lt;br /&gt;
:mutig in dem Feuer stehen&lt;br /&gt;
:wird auch in den kleinen Kinder&lt;br /&gt;
:der freie Geist erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fünfundfünzig lange Jahre&lt;br /&gt;
:sind schon seit der Zeit vergangen&lt;br /&gt;
:doch der Kampf ist nicht beendet,&lt;br /&gt;
:neue Kämpfer werden kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber ihr, ihr Sklaveneltern,&lt;br /&gt;
:zeigt den Kindern frei zu sein.&lt;br /&gt;
:Brave Freiheitskämpfer sind&lt;br /&gt;
:der Erziehung höchster Preis!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prosa: Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13718</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13718"/>
				<updated>2015-02-22T14:20:44Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Gedichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Liebeslieder===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:doch ich weiß nicht wie.&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:und tut mir doch so weh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihr reiner Blick erschreckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh;&lt;br /&gt;
:ein kalter Schweiß bedeckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Was willst du Liebste haben?&lt;br /&gt;
:Was meint dein wirrer Blick?&lt;br /&gt;
:Wo soll ich mich begraben ?&lt;br /&gt;
:Vor Freude, Lust und Glück?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kugelgießer===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Achtzehnhundertachtundvierzig - &lt;br /&gt;
:„Michel“ ist zum Held geworden!&lt;br /&gt;
:Deutschlands Michel ist ein Kämpfer&lt;br /&gt;
:und er kämpft mit Mut und Zorn!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Seine langen Eselsohren&lt;br /&gt;
:hat er plötzlich eingezogen&lt;br /&gt;
:und den ehrlich braven Rücken,&lt;br /&gt;
:hat er endlich ausgestreckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und er kämpft auf Barrikaden&lt;br /&gt;
:denn zu schwer ists ihm zu tragen&lt;br /&gt;
:seines „Vaterlandes“ Lasten,&lt;br /&gt;
:und die Feinde fallen, fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und – oh Freude! Im Getümmel,&lt;br /&gt;
:in dem Lärm und dem Sturm&lt;br /&gt;
:stehen Kinder und sie gießen&lt;br /&gt;
:gießen Kohlen in die Form.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für die Freiheit, für die Kämpfer&lt;br /&gt;
:für den Vater, für die Brüder,&lt;br /&gt;
:darf die Kohle nicht verglühen&lt;br /&gt;
:und sie schütten immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Backen glühen, Stirne schwitzen&lt;br /&gt;
:Augen glitzern tief begeistert;&lt;br /&gt;
:alle heilen, munter fleißig,&lt;br /&gt;
:gearbeitet wird meisterlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Holz hierher“ schreit aus einer,&lt;br /&gt;
:und das Feuer flackert heller,&lt;br /&gt;
:und der Kampf brennt stärker, stärker&lt;br /&gt;
:und die Kohlen brennen schneller.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Kleine Helden, Kugelgießer,&lt;br /&gt;
:welche wunderschöne Szene! &lt;br /&gt;
:Oh, wie wollt ich drücken, kosen&lt;br /&gt;
:kluge Kinder, so wie jene!...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Vor den falschen Hexenmärchen&lt;br /&gt;
:pflegten sie sich zu erschrecken&lt;br /&gt;
:und bei Nacht rannten die Kinder&lt;br /&gt;
:in die Küche zum verstecken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber jetzt, wenn ihre Väter&lt;br /&gt;
:mutig in dem Feuer stehen&lt;br /&gt;
:wird auch in den kleinen Kinder&lt;br /&gt;
:der freie Geist erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Fünfundfünzig lange Jahre&lt;br /&gt;
:sind schon seit der Zeit vergangen&lt;br /&gt;
:doch der Kampf ist nicht beendet,&lt;br /&gt;
:neue Kämpfer werden kommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber ihr, ihr Sklaveneltern,&lt;br /&gt;
:zeigt den Kindern frei zu sein.&lt;br /&gt;
:Brave Freiheitskämpfer sind&lt;br /&gt;
:der Erziehung höchster Preis!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prosa: Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13717</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
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				<updated>2015-02-22T13:59:08Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Gedichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Liebeslieder===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:doch ich weiß nicht wie.&lt;br /&gt;
:Sie hat mein Herz gewonnen&lt;br /&gt;
:und tut mir doch so weh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ihr reiner Blick erschreckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh;&lt;br /&gt;
:ein kalter Schweiß bedeckt mich,&lt;br /&gt;
:wenn ich sie nur seh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Was willst du Liebste haben?&lt;br /&gt;
:Was meint dein wirrer Blick?&lt;br /&gt;
:Wo soll ich mich begraben ?&lt;br /&gt;
:Vor Freude, Lust und Glück?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prosa: Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13716</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13716"/>
				<updated>2015-02-22T13:56:43Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Aus meinem Tagebuch */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Prosa: Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

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		<title>David Edelstadt</title>
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				<updated>2014-11-16T11:07:23Z</updated>
		
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse des Gedichts ''Meyn tsvah'' (dt.: Mein letzter Wille).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915), der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo'' das Amt. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beiden Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Im Gegensatz zur sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekommt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
*[http://archives.savethemusic.com/bin/archives.cgi?q=songs&amp;amp;search=composer&amp;amp;id=David+Edelshtat Musik auf archive.org]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13598</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13598"/>
				<updated>2014-11-16T11:07:02Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Weblinks */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse des Gedichts ''Meyn tsvah'' (dt.: Mein letzter Wille).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915), der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo'' das Amt. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beiden Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Im Gegensatz zur sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekommt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
*[http://archives.savethemusic.com/bin/archives.cgi?q=songs&amp;amp;search=composer&amp;amp;id=David+Edelshtat Vertonungen auf archive.org]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13597</id>
		<title>David Edelstadt</title>
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				<updated>2014-11-16T11:04:07Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Die letzten Tage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse des Gedichts ''Meyn tsvah'' (dt.: Mein letzter Wille).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915), der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo'' das Amt. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beiden Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Im Gegensatz zur sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekommt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13596</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13596"/>
				<updated>2014-11-15T13:47:30Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aus meinem Tagebuch==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stieg mit dem Sonnenaufgang auf, zog mich an und obwohl ich sah, dass der Tag heiß werden würde, schlüpfte ich in meinen Wintermantel. Auf der Straße kaufte ich mir eine Zeitung, sah die Stellenangebote durch und marschierte zu einem der Plätze an dem man Arbeiter sucht. Bestimmt bin ich der erste, dachte ich bei mir, weil sonst niemand einen so großen Hunger verspürt und so früh aufsteht um dorthin zu gehen. Doch dieser Gedanke war ein Fehler. Ich traf auf eine ganze Handvoll meiner Sorte, das heißt auf hungrige, nackte und zerzauste Arbeiter. Daraufhin wollte ich zu einem anderen in der Zeitung angegebenen Ort gehen, doch dann dachte ich bei mir, dass dort bestimmt das gleiche los sei. So blieb ich stehen und schaute mir alles an. Ich blickte in die verfinsterten Gesichter, auf denen die Not ihr schwarzes Segel abgelegt hatte und ich bemerkte, wie einer den anderen mit bösen Blicken musterte. Ach, ihr armen, närrischen Arbeiter, dachte ich bei mir, ihr wisst nicht auf wen ihr böse sein solltet. Ihr wisst nicht, wer euch in diesen traurigen Zustand brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Warten ärgerte mich und je länger ich dort stand desto wütender wurde ich, denn ich sah, wie Menschen, die die Früchte ihrer Arbeit genießen wollen, warten und stehen, bis man ihnen zu arbeiten erlaubt. Doch plötzlich tat sich etwas. Es klingelte sieben Uhr und der Vorarbeiter kam. Das war ein rothaariger, vollgefressener Typ. Er stellte sich auf eine Brücke an der Fabrik und betrachtete uns ganz genau mit seinen kleinen Augen, wie ein Offizier, der seine Soldaten anschaut. Er behielt die Hände in der Hose, von wo eine goldene Kette herabhing, und schaute uns mit zufriedenen Augen und voller Vergnügen an. Mit jedem Augenblick fühlte er sich höher und größer als all diejenigen auf die er blickte. Mich ekelte dieser Anblick an. Ich schaute auf die Gesichter der Arbeiter, ihre angstvollen, erwartungsfrohen, verschreckten und verzweifelten Gesichter. Alle starrten mit betenden Blicken auf den Vorarbeiter. Jeder wollte ihm gefallen um später mit dem Geld das lang ersehnte Stückchen Brot zu kaufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich las die finsteren Gedanken in ihren Köpfe. Nirgendwo bekommt man Arbeit und daheim liegt die kranke Frau mit dem Kind, ohne Brot, ohne Arzt, ohne Medizin und der Vermieter steht vor der Tür um alle rauszuwerfen, weil die Miete nicht bezahlt worden ist. Dies und andere solche traurigen Zustände, die das Arbeiterleben erfüllen, las ich in ihren Gesichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem der Vorarbeiter jeden von Kopf bis Fuß betrachtet hatte, winkte er endlich drei von uns  zu sich. Natürlich wählte er die Stärksten aus. Er hatte Recht, denn bevor man etwas kauft, überlegt man was am billigsten und besten ist. Mit herabgelassenen Köpfen verschwanden die übrigen in verschiedene Richtungen. Zornig und aufgeregt ging auch ich davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging zurück zu meiner Wohnung, doch in mein Zimmer hinaufgehen wollte ich nicht. Mehrere Monatsmieten standen aus und das Fräulein zieht eine saure Miene, wenn sie mich sieht. Dabei kann ich es dem bleichen, schuftenden, doppelt versklavten Fräulein nicht verdenken. Sie sorgt sich ebenso, denn der  Besitzer des Hauses lässt auch sie nicht ruhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir wurde seltsam zumute. Der Tag ist  heiß und der Wintermantel liegt mir auf den Schultern, der Hunger knurrte mir im Magen, wie bei einem Wolf und die Schuhe schauen mich mit ihren offenen Mäulern so traurig an, gerade wie ein paar Frösche in einem ausgetrockneten Sumpf. Was soll man tun? Wohin soll man flüchten? Wohin flüchtet man sich alleine? Ich fühlte mich eingeengt. Um mich herum Häuser, die alle gleich aussahen. Vor jedem Haus steht eine Tonne, so wie vor den Häusern der Reichen ineinander verwachsene Bäume unter den Fenstern. Mir wurde ganz unwohl und ich hatte das Gefühl zu ersticken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles was ich um mich herum sah war wie ein dicker, fest geflochtener Strick, der sich um meinen Hals zu wickeln begann. Ich ging weiter ohne darauf zu achten wohin ich ging. Endlich, als ich mich umschaute, sah ich, dass ich mich in der Oberstadt befand. Hier sind die Straßen still. Ein Milchmann fährt vorbei und klappert mit seinen blechernen Kannen. Die schönen Häuser sind noch verschlossen. Die schweren, seidenen Gardinen hängen in den großen luftigen Zimmern und in den mit Seide belegten Betten schlafen ganz ruhig die reichen Hausbesitzer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Endlich kam ich zum Central Park und trat in den großen, fruchtbaren Garten ein. Die Vögel begrüßten mich mit einem Morgenlied und ich kam zu der Überzeugung, dass die Natur den Hungrigen ebenso begrüßt wie den Satten, den Reichen und den Bettler.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lief immer weiter in den Garten hinein und wisst ihr warum? Weil ich einen Winkel finden wollte, auf dem die eiserne Hand der Zivilisation nicht ruht. Ich wollte eine Weile die Welt vergessen und zugleich ihre guten, frommen, gebildeten, klugen, weichherzigen Menschen. Ja, ich sag es ganz ehrlich, ich wollte sogar meine Brüder vergessen, die armen, elenden, gequälten aber hartnäckigen Sklaven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch der Teufel stand mir im Weg. Ich traf auf Menschen, doch wisst ihr was für Menschen? Vollgefressene, rohe, grobe, reiche Menschen. In teuren Droschken fuhren sie herum. Nein, die Pferde, die guten, stillen, zufriedenen Pferde zogen die Droschken, während diejenigen die drin saßen Havannazigarren rauchten. Und die vorbeifahrenden reichen Menschen schauten auf mich mit einem zufriedenen Lächeln, in denen ich die Worte las: „du Bauer, du einfacher Arbeiter, du Sklave, wie kommst du hier her?  Hier ist unser Ort an dem wir die frische Luft einatmen, aber du nicht!“. Sie fuhren weiter und ich ging meines Weges.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch immer sehe ich nicht die freie Natur. Überall herrscht eine heilige Ordnung: grüne Bänke zum Sitzen, gepflasterte Wege für Fahrräder und Kutschen, gemauerte Tore und Treppen, Statuen, Fontänen, eingetopfte Blumen, der Rasen mit Draht eingezäunt. Ich sah eine Burg, ging hoch und als ich auf der anderen Seite wieder hinunterging fand ich endlich den von mir gesuchten Ort. Ich blickte nach allen Seiten um zu sehen ob ich alleine bin. Ich zweifelte ob ich es schaffen würde einen einsamen Winkel zu finden an dem man alles vergessen kann. Doch dann sah ich um mich herum die freie unbezwungene Natur und atmete auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie schön, wie prächtig, wie bezaubernd, sah alles um mich herum aus. Grüne Berge gekrönt mit jungen Bäumen, die noch ihre duftenden Blüten trugen, mit dünnen Zweigen, durch die sich die Strahlen der Sonne flochten. Die Vögel sprangen von einem Ort zum anderen und zwitscherten, so schön, so süß und so fröhlich, dass ich jedes Angebot eines weltberühmten Theaterorchester für mich eine Symphonie zu spielen, ausschlagen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Ameise, jede Fliege, jedes kleine Blatt, jedes Sandkorn und jede Wurzeln bereitete mir Vergnügen. Die farbenreichen, blühenden, sanften, guten, stillen Blumen schauten mich so mild und lieblich an, noch lieblicher wie die Sterne vom Himmel. Mit ihrem berauschenden Duft beruhigten sie meine arme, durstige, schmachtende, erhitzte Seele und wuschen den Staub von ihr, der sich durch die Taten der Menschen auf sie gelegt hatte. Sie bliesen einen Teil ihres Lebens in meine Seele und das entflammte mich mit einem heiligen, edlen, hellen Feuer, das mich immer höher und höher, bis zum Himmel, erhob. Zwischen den Bergen und den Blumen und zwischen dem grünen Gras floss ein silberner, klarer Teich und der stille Wind küsste den silbern klaren Teich. Und der Teich erzitterte von dem süßen Kuss des Windes und kräuselte sich. Es war so ein Vergnügen die frische Luft einzuatmen, die der Teich um sich verbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich vergaß die Welt. Ja, ich vergaß alles, mich selbst, meinen Hunger, meinen Wintermantel und meine zerrissenen Schuhe. Ganz allein legte ich mich in der göttlichen Stille ins Gras. Meine Augen konnten sich an dem prächtigen Anblick, dem harmonischen Bild der Natur nicht satt sehen. Und je länger ich schaute desto begeisterter, bezauberter und entzückter wurde ich. Ich wollte alles umarmen, an meine Brust drücken und es so lange kosen, bis ich es verschlang. Dann wollte ich es solange verschlungen behalten bis aus mir eine Wolke, ein Wind, ein Hauch, ein Traum wird und ich weit, weit weg fliegen könnte durch den reinen Äther.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie lange ich dort so verträumt saß, weiß ich nicht. Doch plötzlich spürte ich eine Berührung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drehte mich geschwind um und ….. ein Wunder! Ich sah vor mir die Gestalt einer Frau! Nein, keine Frauengestalt. Ein Engel, ein himmlisches Wesen, sogar noch höher als ein himmlisches Wesen. Sie legte ihre zarten Lilienhände auf meine Schulter und schaute mich mir ihren hellen, goldenen Blicken lieblich an. Sie bezauberte mich. Auch ich schaute sie an, aber reden konnte ich nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, wie göttlich sah sie aus, in ihrem schneeweißen Kleid mit einer roten Blume auf ihrer Brust! Ich war berauscht, verlor mich – mein Hunger verschwand und ich war nur noch Seele allein. Und die Seele reinigte sich in ihrem Atem und der Atem war süßer wie der Duft aller Blumen zusammen. Ich brachte kein einziges Wort hervor, wusste nicht was ich sagen soll. Doch bald schon wandte sie sich mit einem himmlischen Lächeln an mich: „Erkennst du mich nicht, Freund?“ Ich schaute sie noch stärker an und mein Herz begann aufgeregt zu schlagen! „Ich hab dich noch nie im Leben gesehen, aber …, aber...“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das stammelte ich und blieb still. Doch sie drückte mich fest an ihre Brust und ihre rosigen Lippen murmelten: „Freund, ich bin es, deine Geliebte, die du doch nie in deinem Leben gesehen hast, aber doch mit dem ganzen Feuer deiner Seele liebst.“ Und, nachdem sie die Worte beendet hatte, drückte sie mich noch stärker an ihre Brust. Auch ich umarmte sie. Unsere Lippen schlossen sich fest aneinander und aus unseren Augen löste sich ein Strom an Tränen. Doch es waren Freudentränen, leichte Tränen, und je mehr Tränen ich vergoss, desto leichter und leichter wurde alles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stand vom Erdboden auf, nahm mich an einer Hand und mit der zweiten Hand hielt sie sich an den Strahlen der Sonne fest. Und auf einmal waren wir ganz nah bei der Sonne. Sie bat mich auf die Erde zu sehen. Ich tat, was sie mich hieß – und ach! Wie schauderhaft der Anblick war. Ich sah das ganze versklavte Volk. In jeder Stadt, in jedem Dorf, in jedem Haus sah ich meine elenden Brüder. Und ich fing an zu weinen. Doch sie bat mich damit aufzuhören und ich folgte ihr. Sie entriss meiner Brust das Herz und warf es auf eine rosig-goldene Wolke, die vor mir in der Luft schwebte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus meinem Herzen flossen warmen Gefühle, gleich den Sonnenstrahlen und wärmten die erfrorenen Herzen meiner leidenden Brüder auf der Erde. Und in ihren Herzen erwachte die natürlich Lust auf Leben, auf Genuss und Vergnügen. Sie begannen über ihr Leiden und über die Verursacher des Leidens nachzudenken und gehorchten nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erhoben sich gegen ihre Unterdrücker und bald sah ich wie Kirchen, Paläste, Gerichte und Kerker mit gewaltigem Krach in sich zusammenstürzten und unter den Trümmern wurden diejenigen begraben, die so lange und barbarisch das ganze Volk gemartert hatten. Die seit Jahrtausenden  in Sklaverei versunkene Menschheit hat sich befreit. Bald verwandelte sich die Welt in einen Garten Eden mit schönen Häusern, Gärten, Wiesen, Teichen und in diesem großen weltlichen Garten Eden spazierten meine Brüder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Hey, raus hier!“ hörte ich plötzlich eine grobe Stimme sagen. Ich erzitterte und als ich mich umsah, um zu sehen, wer mit mir spricht, wurde mir schwarz um die Augen. Dann sah ich einen Mann im blauen Rock neben mir stehen, der mich aufforderte aufzustehen. Es ist verboten auf dem Gras zu liegen und es dabei niederzudrücken, denn es gehört dem Staat. Alles was ich gesehen hatte war nur ein Traum, ein süßer Traum. Ich verstand was der Mann meint, rieb mir die Augen und stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brrr! Wie mir zu Mute war! Mein Schläfen klopften, wie der Hammer eines Schmiedes. Der Wintermantel wurde noch schwerer, der Hunger noch größer und die Sonne erhitzte mich noch mehr. Meine Füße schleppten mich auf den gepflasterten Weg des Gartens. Ach, wie bitter es doch ist aus einem so süßen Traum zu erwachen und die bittere Wirklichkeit dieser Welt zu erkennen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit letzter Kraft schleppte ich mich nach Hause. Es war kurz vor Nacht und die Sonne ging unter. Ich blieb vor meiner Haustür stehen und betrachtete die heimkehrenden Arbeiter auf dem Trottoir. Ihre Gesichter waren schwarz und verschwitzt. Sie zu betrachten tat weh. Ein wilder Schmerz ergriff mein Herz. Ich stieg die vier Treppen hinauf, betrat den ersten Stock, öffnete die Tür und warf mich kraftlos, leblos und entmutigt auf mein Bett. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dort lag ich recht lange Zeit und dachte nach, ohne zu wissen was ich dachte. Unterdessen wurde es Nacht. Es war eine klare, lichte, warme Nacht. Der Mond schaute mit seinen ewig kalten Miene in mein Zimmer. Ich stellte mir einen kalten Philosophen vor, wie er vor mir steht und über meine Ärgernisse, meine Aufregung und meine Ungeduld lächelt. So kalt wie der Mond sollte ich in die finstere Nacht hinausblicken, ruhig, philosophisch. Ich erinnerte mich an meinen früheren Traum und ich beneidete den Mond, so kalt und leicht. Doch... in meinen Ohren klang das folgende Lied:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:willst umsonst zum Himmel fliehen,&lt;br /&gt;
:und dein Herz soll wie die Sonne&lt;br /&gt;
:auf dem ganzen Erdball glühen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Träumer, Träumer, du Naiver,&lt;br /&gt;
:hast ein heißes, heißes Herz, &lt;br /&gt;
:doch die Herzen deiner Brüder,&lt;br /&gt;
:sind vor Kälte sehr, sehr kalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll die ganze Menschheit&lt;br /&gt;
:deinen tiefen Schmerz erfahren,&lt;br /&gt;
:den du durch ihr Leiden trägst,&lt;br /&gt;
:und wogegen du dich wehrst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ganz umsonst soll der ganze Erdball&lt;br /&gt;
:deine Stimme hören, &lt;br /&gt;
:und die Menschheit soll erwachen&lt;br /&gt;
:und die Herrschermacht zerstören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Viele, viele müssen kämpfen,&lt;br /&gt;
:viele Kämpfer müssen fallen,&lt;br /&gt;
:bis die Freiheit wird verbreiten,&lt;br /&gt;
:ihre Strahlen auf die Menschheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch verzweifeln darfst du niemals,&lt;br /&gt;
:darfst vor Schmerzen nicht verstummen;&lt;br /&gt;
:stolz und mutig sollst du kämpfen, &lt;br /&gt;
:und der Freiheitstag wird kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sprang aus meinem Bett auf und meine Lippen murmelten: „Ich kann nicht, ich kann nicht, ich kann nicht kalt bleiben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 191-202&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13595</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13595"/>
				<updated>2014-11-05T09:13:35Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Di vahrheyt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse des Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915), der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo'' das Amt. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beiden Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Im Gegensatz zur sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekommt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13582</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13582"/>
				<updated>2014-10-14T20:54:17Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Die letzten Tage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse des Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915), der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo'' das Amt. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Im Gegensatz zur sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekommt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13581</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13581"/>
				<updated>2014-10-14T20:42:45Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Di vahrheyt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915), der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo'' das Amt. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Im Gegensatz zur sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekommt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13580</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13580"/>
				<updated>2014-10-14T20:41:44Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Di vahrheyt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''(1853-1915) das Amt. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Im Gegensatz zur sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekommt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13579</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13579"/>
				<updated>2014-10-14T20:39:17Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Fraye arbeter shtime */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Im Gegensatz zur sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekommt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13570</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13570"/>
				<updated>2014-10-07T15:50:06Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Einige Gedichte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &amp;lt;ref&amp;gt;Basin, S. 36&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &amp;lt;ref&amp;gt;Edelstadt, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

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		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13569</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13569"/>
				<updated>2014-10-07T15:46:06Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Die letzten Tage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&amp;lt;ref&amp;gt;MXXXXXXXXXXXXXXX&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13568</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13568"/>
				<updated>2014-10-07T15:42:36Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Lebt in Frieden */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wäre dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13567</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
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				<updated>2014-10-07T15:42:21Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Lebt in Frieden */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König.&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wär dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13566</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
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				<updated>2014-10-07T15:40:54Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Stellung zur Religion */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wär dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13565</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
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				<updated>2014-10-07T15:40:20Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Stellung zur Religion */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion, die in seinen Gedichten zum Ausdruck kommt, veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegen keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönbliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wär dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13359</id>
		<title>David Edelstadt</title>
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				<updated>2014-09-05T20:09:23Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Gedichte über Edelstadt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn während sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13358</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13358"/>
				<updated>2014-08-22T17:40:59Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Cincinnati */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov (1865-1921), den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn währen sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13357</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13357"/>
				<updated>2014-08-22T17:40:41Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Di vahrheyt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn währen sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13356</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13356"/>
				<updated>2014-08-22T17:21:32Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegegn keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönbliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wär dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13355</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
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				<updated>2014-08-22T17:21:06Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegegn keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönbliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wär dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13354</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13354"/>
				<updated>2014-08-22T17:18:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Gedichte über Edelstadt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn währen sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13353</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13353"/>
				<updated>2014-08-22T17:15:13Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Gedichte über Edelstadt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Literaturhistorisch bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertreter der modernistischen Gruppe In zikh, denn währen sie auf der einen Seite Edelstadt produktiv rezipieren, zeigen die Gedichte auf formaler Ebene, den Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13352</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13352"/>
				<updated>2014-08-22T17:04:44Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* New York */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehören [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertetern der modernistischen Strömung In zikh.Ihre Gedichte rezipieren Edelstadt produktiv, zugleich markieren sie besonders auf formaler Ebene einen Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13349</id>
		<title>David Edelstadt</title>
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				<updated>2014-08-15T16:42:08Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Anmerkungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertetern der modernistischen Strömung In zikh.Ihre Gedichte rezipieren Edelstadt produktiv, zugleich markieren sie besonders auf formaler Ebene einen Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13348</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13348"/>
				<updated>2014-08-15T16:41:36Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertetern der modernistischen Strömung In zikh.Ihre Gedichte rezipieren Edelstadt produktiv, zugleich markieren sie besonders auf formaler Ebene einen Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13347</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13347"/>
				<updated>2014-08-15T16:30:58Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Stellung zur Religion */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegegn keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Saul Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönbliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wär dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13346</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13346"/>
				<updated>2014-08-14T20:17:07Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Fraye arbeter shtime */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung der FAS wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die FAS jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg anderer jiddischer Wochenzeitungen, dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertetern der modernistischen Strömung In zikh.Ihre Gedichte rezipieren Edelstadt produktiv, zugleich markieren sie besonders auf formaler Ebene einen Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13345</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
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				<updated>2014-08-14T19:36:31Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Heine und Edelstadt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover konnte bereits in jungen Jahren Gedichte von Heinrich Heine auswendig. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegegn keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Shoel Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönbliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wär dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=Josef_Bovshover&amp;diff=13344</id>
		<title>Josef Bovshover</title>
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				<updated>2014-08-14T19:34:29Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* In der alten Heimat */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' &lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Josef Bovshover''' (jiddisch יוסף באָװשאָװער, geb.1872 in Mogilev, Weißrussland; gest. 1915 in Poughkeepsie, USA); Jiddischer Dichter.&lt;br /&gt;
[[bild:Bovshover_Josef.jpg|thumb|right|240px|Josef Bovshover (1872-1915)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===In der alten Heimat===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Josef Bovshover wurde am jüdischen Feiertag Jom Kippur im Jahr 1872 in Libovitsh (evtl. Lyubizh), einer Stadt in der Nähe von Mahiljou (jidd.transkr. und ältere dt. Schreibweise: Mogilev), Weißrussland, als eines von sieben Kindern geboren. Er stammte aus einer sehr feinen Mischpoke; seine Vorfahren mütterlicherseits waren Kantoren und gelehrte Talmudisten, die Vorfahren väterlicherseits Geschäftsleute. Der Vater war ein großer Gelehrter, ein frommer Jude aus vollem Herzen, ein wohltätiger und spendierfreudiger Mann, aber er war auch, nach den Worten Mikhal Kohns, dem Herausgeber der Gesammelten Werke, ein religiöser Fanatiker, der seine Kinder streng orthodox erzog. Gerne hätte der Vater aus seinem Sohn einen religiösen Gelehrten gemacht, doch zum Leidwesen seiner Eltern schlug dieser einen anderen Weg ein. Der junge Bovshover verbrachte viel Zeit in der Natur, wo er sich mitunter den ganzen Tag alleine aufhielt und von wo er erst spät abends nach Hause kam. Im Alter von ungefähr 16 Jahren zog Bovshover nach Riga und begann als Laufbursche für ein großes Mehl-Geschäft zu arbeiten. Ein Bekannter, der ihn zu dieser Zeit in Riga traf, schrieb über ihn: „Er muss sechzehn gewesen sein und arbeitete als Laufbursche für ein großes Mehl Geschäft. Der schwere Korb mit Mehl Säcken nahm nicht das liebe, kindliche Lächeln vom Gesicht des Jungen mit dem hübschen Kopf, der mit schwarzen und gekräuselten Haar deutlich aus den mit Mehl beschattenen armen Kleidern herausstach.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S.10&amp;lt;/ref&amp;gt; Für Bovshover waren die Jahre in Riga lehrreich in vielerlei Hinsicht, denn hier erlernt er die deutsche Sprache, vor allem mit Hilfe der deutschen Literatur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erste Schritte in Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Oktober 1891 wanderte Bovshover in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo bereits zwei seiner älteren Brüder lebten. Sie alle zählen zu einer großen Welle jüdischer Emigrantinnen und Emigranten, die ab den frühen 1880er Jahren aus Osteuropa flüchteten. Die Verelendung der ostjüdischen Massen und die oftmals staatlich initiierten antijüdischen Pogrome waren hierfür entscheidende Gründe. In New York landete Bovshover, wie so viele osteuropäische Einwanderer und Einwanderinnen, in einem der berüchtigten Sweatshops der Textilindustrie, wo ihm Bekannte einen Job als Futter-Macher besorgten hatten, der ein wenig besser bezahlt war als die Tätigkeit eines normalen Schneiders. Der Lohn eines Schneiders betrug zwischen sieben und acht Dollar pro Woche, ein Futter-Macher verdiente bis zu vier Dollar mehr. Die Arbeitsbedingungen waren allerdings so schlecht, dass Bovshover dort nicht lange beschäftigt war. Angeblich verlor er den Job  als Futter-Macher, weil er sich angewöhnt hatte, den Mitarbeitern seine revolutionären Lieder vorzutragen. Nach der Kündigung eröffnete einer seiner Brüder für Bovshover ein kleines Geschäft, in dem Bovshover seine Erfahrung aus dem Mehlgeschäft einbringen konnte. Aber der Versuch scheiterte, denn Bovshover mangelte es an Geschäftssinn und Engagement.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Bovshover 1891 in den Vereinigten Staaten von Amerika eintraf, strömten große Teile der jüdischen Arbeiterschaft in die Sozialistische Arbeiterpartei (SLP) unter der Leitung von Daniel DeLeon. Diese erfolgreiche Mobilisierung gelang durch die Organisation jiddischsprachiger Sektionen der SLP und später mit Hilfe der United Hebrew Trade (UHT), einer Dachgesellschaft verschiedener jüdisch-amerikanischer Gewerkschaften, die der SLP verpflichtet war. Befürworter anderer Ideen, wie die des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes aus Polen, Litauen und Russland (BUND) oder anarchistische Gruppierungen, wehrten sich gegen die Vereinnahmung des amerikanisch-jüdischen Proletariats durch die SLP. Deren erfolgreiche Agitation war beispielsweise einer der Gründe dafür, dass die anarchistische Bewegung in den 1890er Jahre einige Krisen erlebte, wie das Jahr 1892, in dem die ''Fraye arbeter shtime'' monatelang nicht erschien. Bovshover scheint ganz zu Beginn seiner Aufenthalts in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht sonderlich an Politik interessiert gewesen zu sein, womit er ideologisch ganz auf der Linie der einwandernden Osteuropäerinnen und Osteuropäer lag, von denen heute Forscher wie Tony Michels annehmen, dass sich ihre Radikalität erst in ihren amerikanischen Jahren entwickelt hat. Bovshover war weder in Libovitsh noch in Riga ein politischer Aktivist gewesen, er wurde es erst in den USA. Auf eine bestimmte Ideologie war er damals nicht fixiert; so verkehrte er zwar mit Personen aus dem Umkreis der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime'', seine ersten Gedichte veröffentlichte er aber in der sozialdemokratische ''Arbeter tsaytung'' der SLP. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfolge=== &lt;br /&gt;
In den Jahren 1892 und 1893 arbeitete Bovshover eifrig an seinen jiddischen Gedichten während er, nach seinem anfänglichen Scheitern als Geschäftsmann und Futter-Macher, erneut Tätigkeiten im Textilgewerbe nachging. 1893 scheint er dann erstmalig mit seiner Poesie erfolgreich gewesen zu sein, denn sie wurde in der jiddischen Presse häufig gedruckt, wie in der Zeitschrift ''Arbeter fraynd'', die in den Monaten März und April jede Woche ein Gedicht von ihm veröffentliche, der ''Arbeter tsaytung'' der SLP und der anarchistischen ''Fraye arbeter shtime''.  Einige der Gedichte, die Bovshover im Jahr 1893 produzierte, stehen im besonderen Gedenken an die gescheiterten deutsche Revolution des Jahres 1848, die für revolutionäre deutsch-amerikanische Gruppierungen in New York Anlass verschiedener Festivitäten war. An diesem Diskurs beteiligten sich auch viele der jüdischen Radikalen, die mit den deutschen Bewegungen oftmals eng verbunden waren. Im März 1893 entstanden die Gedichte ''Merts gedanken'', ''Di ziftsende shtime'', '' Tsum kempfer'' und im Herbst des Jahres das Gedicht ''Di kugl-giser'', das ganz konkret die historische Ereignisse in Deutschland aufgreift. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne Mäzen und eigenen Reichtum, in prekären Arbeitsverhältnissen, blieb Bovshover zeit seines jungen Lebens ein verarmter Dichter, der zwar innerhalb der jiddischsprachigen Welt ein wenig Aufmerksamkeit erfuhr, der aber ansonsten mit den gleichen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie andere osteuropäische Arbeiterinnen und Arbeiter auch: hohe Arbeitszeiten, niedrige Löhne und schlechte Arbeits- und Lebensverhältnisse. Er verließ früh morgens sein Zimmer in Brooklyn zur Arbeit und kam spät abends erschöpft wieder nach Hause, wo er sich dann in sein Arbeitszimmer begab und an seinen Gedichten feilte. Im Jahr 1895 zog Bovshover nach New Haven, wo er für ein wenig Geld und ein Zimmer das Kleidergeschäft eines Freundes hütete, als Kellner arbeitete und Zeitungen austrug; er verlor den letzten Job, weil sich die Beschwerden mehrten, dass die Zeitung morgens ausbleibe. An der örtlichen Yale Universität besuchte er Kurse über Englisch und Literatur, was eine nachhaltige Wirkung auf sein literarisches Schaffen hatte, denn nachdem er gegen Ende des Jahres 1895 oder im Jahr 1896 wieder nach New York gezogen war, übersetzte er einige seiner jiddischen Gedichte ins Englische und schrieb erstmalig Gedichte in englischer Sprache. Obwohl sich Bovshover mit der Zeit ein beachtliches literarisches Können angeeignet hatte - er schrieb Gedichte, Satiren, Erzählungen, Essays, übersetzte Jiddisch, Englisch, Deutsch und Russisch und war journalistisch tätig -, lohnte sich das literarisches Schaffen für ihn nicht; und auch bekanntere jiddische Dichter wie Morris Rosenfeld oder David Edelstadt kamen nur über die Runden, wenn sie hauptsächlich einer anderen Tätigkeit nachgingen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab dem Jahr 1896 begann Bovshover die Zusammenarbeit mit [[Benjamin R. Tucker|Benjamin R. Tucker]] und dessen anarchistischer Zeitung ''Liberty'', für die Bovshover unter dem Pseudonym Basil Dal englische Gedichte entwarf. Die erste Veröffentlichung, das Gedicht ''To the Toilers'', erschien am 7. März 1896 zusammen mit einer enthusiastische Lobpreisung auf den jungen Dichter vom Herausgeber des Blattes. Tucker, einer der wichtigsten Theoretiker des Individualanarchismus, muss als einer der großen Förderer des jiddischen Dichters gelten; allerdings gelang es ihm nicht, Bovshover in der englischen Presse oder unter englischen Literaturkritikern einen Namen zu machen, denn dafür war der Abstand zwischen dem Anarchisten Tucker und der bürgerlichen Welt und der zwischen einem jiddischen Literaten, der revolutionäre Lieder auf Englisch schrieb, und dem englischen Literaturbetrieb zu groß. Möglicherweise wirkte sich der persönliche Kontakt zu Tucker auf die ideologischen Anschauen Bovshovers insofern aus, dass bereits vorhandene anarchistische Ideen um individualanarchistische Entwürfe verfeinert wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Krankheit und Tod===&lt;br /&gt;
Ab den späten 1890er Jahren zeigt sich bei Bovshover eine geistige Krankeit, die Mitschuld am frühen Tod des Dichters hatte. Es fällt schwer, heute darüber eine Prognose abzugeben, aber Bovshover litt vielleicht an einer starken Depression, einer pathologischen Melancholie, die ihn passiv werden ließ und die ihn später zum Verstummen brachte. [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] nennt den jiddischen Lyriker in ihrer Autobiographie ''Living my Life'' einen auffällig  impulsiven Menschen. Vor allem nach seinem 26. Geburtstag hinterließ die Krankheit bei ihm auch äußerliche Spuren; seine linke Achsel begann weit herabzuhängen und die Rechte zog er unnatürlich stark hoch; den Kopf  trug er immer tief zwischen die Schultern gezogen, sein Gesicht war aschfahl und seine Kleidung abgetragen und alt. Ab den späten 90er Jahren ging er keiner Tätigkeit mehr nach und war so auf die Wohltätigkeit seiner Freundinnen und Freunde und seiner Brüder, die in den Vereinigten Staaten von Amerika lebten, angewiesen. Diese nahmen den verelendeten Dichter zeitweise auf und erst als der Zustand des Dichters immer schlechter wurde und die in seiner Lyrik so oft besungenen schwarzen Wolken sich seines Verstandes vollends bemächtigten, musste er das Leben bei Verwandten, Freundinnen und Freunden mit einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt eintauschen. Hier verbrachte er mehrere Jahre seines Lebens bis er am 20. oder 25. Dezember 1915 in einem Sanatorium in Poughkeepsie im Staat New York verstarb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
===Gattungen und Einflüsse===&lt;br /&gt;
Bovshover bevorzugte die Gattungen Lyrik und Epik, wobei das lyrische Werk mengenmäßig überwiegt. Bei seinen Gedichten handelt es sich vor allem, gemessen an inhaltlichen Kriterien, um soziale und politische Dichtung (Arbeiterlyrik); es finden sich aber auch Natur- und Liebesgedichte in seinem Œuvre. Seine Prosastücke sind vorwiegend kurz; es sind meistens phantasievolle Kurzgeschichten und biographische Skizzen mit gesellschaftskritischem Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein lyrischen Werk und seine Prosatexte lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen, wobei es möglich ist diese Phasen an den Einflüssen durch anderen Autoren festzumachen. Noch vor seiner Zeit in Amerika ist es vor allem die deutsche Poesie, die ihn beeinflusst hat, allen voran Heinrich Heine. Als er dann in die USA kommt, trifft er dort auf die drei Dichter Morris Rosenfeld, Morris Winchevsky und David Edelstadt. Diese drei Dichter, insbesondere Edelstadt, dienen ihm als Vorbild für seine eigenen Gedichte: er übernimmt Edelstadts Themen und oftmals sogar die Titel seiner Gedichte. Ein sehr wichtiges Motiv der Gedichte sind „Tränen“, das alle der genannten Dichter häufig gebrauchen. Die vier Dichter sind als „Sweatshop Poets“ bekannt, doch sie lassen sich auch als „Tränen Dichter“ bezeichnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der zweiten Periode, die sich graduell entwickelt und nicht scharf von der ersten abgrenzen lässt, machen sich vor allem die Einflüsse von Walt Whitman, Edwin Markham und Ralph Waldo Emerson bemerkbar. Unter der Wirkung von Emerson und Whitman schreibt Bovshover Gedichte, die sich, ganz im Stil der Transzendentalisten, an die Natur und das Weltall richten. Bovshover kommt ihnen sogar so nahe, dass er beginnt, sich von seinem großen Helden Heinrich Heine zu lösen. Er sagt: „Der allgemeine Eindruck, den Heine auf die Jugend macht, ist kein ganz gesunder“. Die Lieder Emersons machen auf Bovshover dagegen einen „sehr gesunden Eindruck“ und auch das Werk Emersons ist „sehr gesund“&amp;lt;ref&amp;gt;Kalmon, S. 49&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heine und Edelstadt===&lt;br /&gt;
Ein Freund aus Riga erklärte einmal wie Bovshover die deutsche Sprache erlernte (transkr.):  „Nit lernendik keyn deytsh […] gekent oyzvendig zayn heyne“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 10&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bovshover hat sich also nicht hingesetzt und Deutsch gelernt, sondern er hat Heinrich Heine auswendig gekonnt. Der große Einfluss Heines auf Bovshover, nicht nur auf dessen Spracherwerb, sondern auch auf dessen Poesie, ist an den Gedichten auf inhaltlicher und auf formaler Ebene nachvollziehbar. So in dem 36 Strophen á 4 Verse langen Gedicht ''Likht un shatten'', in dem sich das Ich in der zweiten Strophe an Heine erinnert, der dann plötzlich in Strophe sieben leibhaftig erscheint. Dann entfaltet sich bis zum Ende des Gedichts ein monologisches Sprechen von Heine, der Ereignisse nach seinem Tod kommentiert. In Strophe 19 reflektiert er beispielsweise den Skandal um die Errichtung des Denkmals zu seinem hundertsten Geburtstag (1897), das wegen einer antisemitischen Hetzkampagne gegen den jüdischen Dichter weder in Düsseldorf, Mainz oder Frankfurt, sondern in der amerikanischen Stadt New York, im Stadtteil Bronx errichtet wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Man hat mir zu Ehren ein Denkmal gemacht, &lt;br /&gt;
:die Loreley sitzt auf ihm oben,&lt;br /&gt;
:sie wollen es aber in Düsseldorf nicht,&lt;br /&gt;
:ich denk mir, das kommt durch meinen Glauben. &amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 69&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt, der populärste anarchistische jiddische Dichter seiner Zeit, ist ein weiterer wichtiger Autor, ohne den die Dichtung von Bovshover nicht denkbar wäre. Gemeinsam begründen sie eine beachtenswerte anarchistische Tradition in der neuen jiddischen Literatur. Darin zählen beide zu einer größeren Gruppe an Lyrikerinnen und Lyrikern, die aufgrund ihrer sozialen und politischen Dichtung, sowie ihrer proletarischen Herkunft, als „sweatshop poets“ (dt.: Schwitzbuden-Dichter) angesprochen werden. Diese literarische Bewegung war aufgespalten in ideologische Lager, zuerst dem anarchistischen und sozialistischen, später auch dem sozialistisch-zionistischen Lager. Neben Freiheits- und Naturdichtung, verfassten sie vor allem soziale Gedichte. Die politische Lyrik von Edelstadt lässt sich als proletarisch-revolutionär klassifizieren, in denen anarchistische Positionen manchmal ganz offen zu Tage treten, wie in dem programmatischen Gedicht ''Anarkhie'' (Strophe 1):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrschaft, ohne Ketten, ohne Tränen,&lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie,&lt;br /&gt;
:wo des Einen Glück wird des Zweiten nicht stören,&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie.&amp;lt;ref&amp;gt;Edelshat, S. 142&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Edelstadt am 17. Oktober 1892 an Schwindsucht starb, einer für die arbeitende Klasse damals typischen Krankheit, war Bovshover tief bewegt und schrieb noch am gleichen Tag die Elegie ''Tsum andenken fun david edelshtat''. Das Gedicht zeigt die enge Verbindung der beiden anarchistischen Dichter zueinander; es leitet die gesammelten Werke ''Edelstats folks-gedikhte'' ein (Strophe 27, 28 u. 29):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Edelstadt! Du bist gestorben,&lt;br /&gt;
:fühlst nicht mehr den Weltenschmerz,&lt;br /&gt;
:doch dein Tod, der hat verwundet,&lt;br /&gt;
:schrecklich, schrecklich mir mein Herz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Bist gestorben, doch ich tröst mich,&lt;br /&gt;
:denn es lebt dein großer Geist,&lt;br /&gt;
:wenn ich deine Lieder singe,&lt;br /&gt;
:wird es für mich sein der Trost.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und ich weiß die Zeit wird kommen,&lt;br /&gt;
:mit dem freiheitsvollen Glanz,&lt;br /&gt;
:dann wird jeder niederlegen,&lt;br /&gt;
:auf deinem Grab einen Blumenkranz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:17ter Oktober,  1892.&amp;lt;ref&amp;gt;Bovshover, S. 56&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stellung zur Religion==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bovshovers Haltung zu Religion veränderte sich mit der Zeit und lässt unterschiedliche interpretatorische Ansätze zu. Im Frühwerk finden sich verschiedene antireligiöse Gedichte, aber auch solche mit biblische Themen und Motiven. Das Spätwerk Bovshovers enthält dagegegn keine antireligiösen Gedichte mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen in den frühen Gedichten entsprechen einer gegen Ende des 19. Jahrhunderts typischen Haltung innerhalb der anarchistischen Bewegung. So veranstalteten jüdisch-anarchistische Aktivisten in New York antireligiöse Jom Kippur-Bälle. Am Tag der Versöhnung, an dem jüdische Gläubige fasten und beten, veranstalteten anarchistische Gruppen ein rauschendes säkulares Fest, um ihrem Atheismus besonderen Ausdruck zu verleihen. Auf den Bällen sprachen beispielsweise Johann Most, Johanna Greie oder Shoel Yanovsky. Ab dem 20ten Jahrhundert überwog jedoch der Wille zur religiösen Toleranz und Integration innerhalb der jüdisch-anarchistischen Bewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in Bovshovers Frühwerk geäußerte Kritik enthält ideologische Komponenten, mag aber auch persönbliche Gründe haben. Mikhal Kohn verweist mehrfach auf die strenge religiöse Erziehung durch den Vater, woraus sich biographisch eine Verbindung zu Bovshovers starker Abneigung gegen Religion ableiten ließe. Daneben stehen die ideologischen Komponenten seiner Negation ganz im Einklang mit der grundsätzlichen libertären Forderung nach Gleichheit und Herrschaftslosigkeit. Der Glauben, so appelliert das Ich im Gedicht ''Tsum gloybigen'', steht allein im Dienst der Herrschaft, des Stricks und der Ketten. Das Gedicht ''Lebt in frieden'' zelebriert einen ganzen Kanon libertärer Ideale, darunter auch die drei Verse: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die antireligiösen Tendenzen der frühen Gedichte zielen ebenso auf die Institutionen der Weltreligionen und deren Vertreter ab. In ''A monolog fun der dumhayt'' spricht das Ich als Dummheit über seine Geschäftigkeit für die christlichen Kirchen im Kopf des Proletariats. Dort erzeugt es einen schwarzen Schleier, den die verblendeten Gläubigen ausräumen müssen, um wieder klar zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite schrieb Bovshover das an das alte Testament angelehnte dramatische Gedicht ''Tsvey veltn'', in dem sich Abraham und sein Vater Terach um die Darstellung Gottes streiten. Samuel Malts interpretierte in der Dezember Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' 1973 das dramatische Gedicht als Suche des Dichters nach einem gerechten Glauben.&amp;lt;ref&amp;gt;Malts, S. 4&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Spätwerk Bovshovers finden sich keine antireligiösen Gedichte mehr. Möglicherweise ist dieser Sinneswandel eine Folge seiner Rezeption amerikanischer Transzendetalisten, womöglich aber auch eine Rückbesinnung auf die eigene jüdische Kultur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===März Gedanken=== &lt;br /&gt;
:Wenn ich so stehe am Meer bei Nacht,&lt;br /&gt;
:in Weh versunken, stumm, betracht,&lt;br /&gt;
:und hör die stillen Wellen rauschen,&lt;br /&gt;
:dann seuftz ich, wein und stöhne aus:&lt;br /&gt;
:So schläft die Freiheit auf der Welt,&lt;br /&gt;
:erstickt von Räubern, Knecht und Geld,&lt;br /&gt;
:so seufzt und stöhnt sie wie das Meer,&lt;br /&gt;
:voll tiefem Schmerz, voll Weh, voll Gram.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
:Wenn ich  ein Rinnsal seh beim Meer klein,&lt;br /&gt;
:und neben ihm ein Felsenstein,&lt;br /&gt;
:der lässt es nicht ins Meer hinein,&lt;br /&gt;
:dann schrei ich aus mit Schmerz mit Pein:&lt;br /&gt;
:das Rinnsal, ach, bin ich, bin ich,&lt;br /&gt;
:zum Meer der Freiheit zieht es mich,&lt;br /&gt;
:doch Weh! Eine starke Wand verstellt den Weg,&lt;br /&gt;
:gebaut von unserer Herrscherwelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wenn ich den Donner sehe mit  wildem Krach,&lt;br /&gt;
:zerspaltet den Stein und macht ihn flach,&lt;br /&gt;
:zerschneidet seine Härte, wie eine Säge,&lt;br /&gt;
:und macht dem Rinnsal frei den Weg,&lt;br /&gt;
:dann werde ich mutig, stark und dreist,&lt;br /&gt;
:sogleich wacht auf mein Freiheitsgeist,&lt;br /&gt;
:und tief begeistert ruf ich aus, schrei:&lt;br /&gt;
:Revolution! Du machst mich frei!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
===Lebt in Frieden===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Frieden auf der ganzen Erde,&lt;br /&gt;
:Gleichheit für die ganze Welt !&lt;br /&gt;
:Freunde, lebt, wie euch gefällt,&lt;br /&gt;
:ohne Schwindel, ohne Geld,&lt;br /&gt;
:ohne Henker, ohne Schwert.&lt;br /&gt;
:König, Bauer, Sklave, Knecht,&lt;br /&gt;
:jeder hat das gleiche Recht.&lt;br /&gt;
:Keinen Gott und keinen Thron,&lt;br /&gt;
:ja, es darf kein Oben&lt;br /&gt;
:und es darf kein Unten geben.&lt;br /&gt;
:Was man darf, soll jeder tun,&lt;br /&gt;
:wie der Bauer so der König&lt;br /&gt;
:Welcher Mensch wär dann noch wenig?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mikhal Kohn über Josef Bovshover==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seelen der wahren Poeten entsprechen besonders dem anarchistischen Ideal, schon allein deshalb, weil sie sich weniger als andere an die Vorstellungen eines äußeren Gesetzes und an befehlende Autorität anzupassen vermögen. Sie blicken hinweg über die künstlichen Grenzen, über welche der gewöhnliche „Spießbürger“ schreibend nie hinwegkommt. Der Geist eines Poeten lässt sich weder an die vergangenen Traditionen noch an die gegenwärtige Verlogenheit fesseln. Seine Augen sind die eines Propheten, eines Sehers, der mit seinem Adlerblick tief in die Zukunft schaut und die Unvermeidlichkeit einer idealen Gesellschaft vorhersagt, in der es weder Sklaven noch Herren geben wird. Durch die schwarzen Wolken der Gegenwart sehen sie den Regenbogen, der eines Morgens erstrahlt.&amp;lt;ref&amp;gt;Kohn, S. XV&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bibliographie der Einzelausgaben ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: &amp;quot;Arbayter fraynd&amp;quot; drukeray, 1900&lt;br /&gt;
*Poetishe Verke. London: Aroysgegeben fun der gruppe „Frayhayt“, 1903&lt;br /&gt;
*Lieder un gedikhte. London: L. Fridman, 1907 &lt;br /&gt;
*Bilder un gedanken. London: L. Fridman, 1907&lt;br /&gt;
*Gezamelte shriften. Poezy un proza, New York: Fraye arbayter shtime,1911&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. mit einem Vorwort von Sh. Agurski, Petrograd: Tsentraler yidisher komisaryat, 1918&lt;br /&gt;
*To the toilers and other verses. mit einer Danksagung von Benj. R. Tucker, New York: Oriole Press, 1928&lt;br /&gt;
*Lider. hrsg. von: I. Fefer und E. Fininberg, Kiev: Kultur-lige, 1930&lt;br /&gt;
*Geklibene lider. Yoysef Bovshover, Moskau/Minsk: Tsentraler felker-farlag fun F.S.S.R, Vaysrusishe optaylung,1931&lt;br /&gt;
*Lider un dertseylungen. Kiev: Melukhe-farlag far di natsyonale minderhaytn in USSR, 1939&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzungen von Bovshover===&lt;br /&gt;
* Shakespeare, William: Shaylok, oder, Der koyfman fun venedik. übers. von Josef Bovshover, New York: Hibru pablishing kompani, 1899&lt;br /&gt;
*Green Ingersol, Robert: Farbrekhens gegen farbrekher. übers. von Josef Bovshover, New York: Fraye publishing asosieyshon, 1903&lt;br /&gt;
*Möglicherweise hat Bovshover auch ''Faust'' von Goethe ins Jiddische übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anthologien===&lt;br /&gt;
*Bassin, Morris (Hrsg.): Antologye. Finfhundert johr yidishe poezie, Bd. 2, 2. Aufl., New York: Dos bukh, 1917&lt;br /&gt;
*N.B. Minkov (Hrsg.): Pionern fun yidisher poezie in amerike. Dos sotsiale lid, Bd. 1, New York: Grenich Printing Coorporation, 1956&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Biograpien===&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Bovshover, Josef: Gezamelte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbayter Shtime, 1911&lt;br /&gt;
*Kohn, Mikhal: J. Bovshover. Zayn leben un zayn verk, in: Josef Bovshover: Gezamlte shriftn. Poezy und proza, New York: Fraye Arbeter Shtime, 1911, S. III – XXVII&lt;br /&gt;
*Malts, Samuel: Der troymerisher kemper-poet, in: Fraye arbeter shtime. Vol.3008 (Dezember 1973), New York: Free Voice of Labour Association, 1973. &lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Yosef Bovshover. New York: The Kalmann Marmor Jubilee Commitee, 1952&lt;br /&gt;
*Michels, Tony: A Fire in their Hearts. Yiddish Socialists in New York, Harvard: UP, 2005&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13343</id>
		<title>David Edelstadt</title>
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				<updated>2014-08-14T18:16:29Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Di vahrheyt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten und erledigt die Post. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung dieser Zeitung wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die Zeitung jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg der jiddischen Wochenzeitung, die ''Arbeter tsaytung'', dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertetern der modernistischen Strömung In zikh.Ihre Gedichte rezipieren Edelstadt produktiv, zugleich markieren sie besonders auf formaler Ebene einen Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13342</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13342"/>
				<updated>2014-08-09T09:36:17Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Gedichte über Edelstadt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er schreibt Adressen auf Postsendungen und erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung dieser Zeitung wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die Zeitung jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg der jiddischen Wochenzeitung, die ''Arbeter tsaytung'', dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertetern der modernistischen Strömung In zikh.Ihre Gedichte rezipieren Edelstadt produktiv, zugleich markieren sie besonders auf formaler Ebene einen Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13341</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13341"/>
				<updated>2014-08-09T09:35:55Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Gedichte über Edelstadt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er schreibt Adressen auf Postsendungen und erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung dieser Zeitung wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die Zeitung jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg der jiddischen Wochenzeitung, die ''Arbeter tsaytung'', dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Vertetern der modernistischen Strömung In zikhr.Ihre Gedichte rezipieren Edelstadt produktiv, zugleich markieren sie besonders auf formaler Ebene einen Bruch mit der literarischen Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13340</id>
		<title>David Edelstadt</title>
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				<updated>2014-08-09T07:03:07Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Anarchie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er schreibt Adressen auf Postsendungen und erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung dieser Zeitung wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die Zeitung jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg der jiddischen Wochenzeitung, die ''Arbeter tsaytung'', dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich auch die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Verteter der modernistischen Strömung innerhalb der jiddischen Literatur. In  den Gedichten wird Edelstadt produktiv rezipiert, zugleich markieren sie aber auch, insbesondere auf formaler Ebene, einen Bruch mit der Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13339</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13339"/>
				<updated>2014-08-09T07:02:24Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* An einen Freund */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er schreibt Adressen auf Postsendungen und erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung dieser Zeitung wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die Zeitung jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg der jiddischen Wochenzeitung, die ''Arbeter tsaytung'', dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich auch die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Verteter der modernistischen Strömung innerhalb der jiddischen Literatur. In  den Gedichten wird Edelstadt produktiv rezipiert, zugleich markieren sie aber auch, insbesondere auf formaler Ebene, einen Bruch mit der Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13338</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13338"/>
				<updated>2014-08-09T07:02:06Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Wir werden gehasst und vertrieben */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er schreibt Adressen auf Postsendungen und erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung dieser Zeitung wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die Zeitung jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg der jiddischen Wochenzeitung, die ''Arbeter tsaytung'', dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich auch die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Verteter der modernistischen Strömung innerhalb der jiddischen Literatur. In  den Gedichten wird Edelstadt produktiv rezipiert, zugleich markieren sie aber auch, insbesondere auf formaler Ebene, einen Bruch mit der Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13337</id>
		<title>David Edelstadt</title>
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				<updated>2014-08-09T06:39:57Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* New York */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er schreibt Adressen auf Postsendungen und erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung dieser Zeitung wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die Zeitung jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg der jiddischen Wochenzeitung, die ''Arbeter tsaytung'', dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich auch die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Verteter der modernistischen Strömung innerhalb der jiddischen Literatur. In  den Gedichten wird Edelstadt produktiv rezipiert, zugleich markieren sie aber auch, insbesondere auf formaler Ebene, einen Bruch mit der Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13336</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13336"/>
				<updated>2014-08-09T06:39:31Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Fraye arbeter shtime */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er schreibt Adressen auf Postsendungen und erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung dieser Zeitung wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die Zeitung jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg der jiddischen Wochenzeitung, die ''Arbeter tsaytung'', dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich auch die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Verteter der modernistischen Strömung innerhalb der jiddischen Literatur. In  den Gedichten wird Edelstadt produktiv rezipiert, zugleich markieren sie aber auch, insbesondere auf formaler Ebene, einen Bruch mit der Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

	<entry>
		<id>http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13228</id>
		<title>David Edelstadt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="http://dadaweb.de/index.php?title=David_Edelstadt&amp;diff=13228"/>
				<updated>2014-06-29T09:19:08Z</updated>
		
		<summary type="html">&lt;p&gt;Marcel G: /* Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]''' | {{InArbeit}}&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Erstellt nach [[Wikipedia:Formatvorlage Biografie]] --&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''David Edelstadt''' (Jiddisch: דוד עדעלשטאַט, transkr.: Dovid edelshtat; geb. 21. Mai 1866 in Kaluga; gest. 17. Oktober 1892 in Denver); Jiddischer Dichter und Journalist.&lt;br /&gt;
[[bild: edelstadt_portrait.png|thumb|right|270px|David Edelstadt (1866-1892)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Leben==&lt;br /&gt;
===Frühe Kindheit===&lt;br /&gt;
[[Bild:Edelstadt_eltern.png|thumb|right|240px|Edelstadts Eltern]]&lt;br /&gt;
Die Eltern Edelstadts, Moisei Ivanovitch und Katerina Fiodorovna, lebten in der russischen Stadt Kaluga, rund 170 von Moskau entfernt. Unter den 39.000 Einwohnern befanden sich nur wenige hundert Juden, denn seit einem Erlass Katarina II. im Jahr 1791 existierten Ansiedlungsbezirke im europäischen Teil Russlands, die speziell für die jüdischen Bevölkerung geschaffen worden waren und in denen, trotz sukzessiver Rücknahme dieser Siedlungsbestimmungen unter Alexander II., noch immer die meisten Juden lebten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moisei Ivanovitch war ein Kantonist oder, wie man es heute ausdrücken würde, ein Kindersoldat. Entsprechend der von Nikolei I. erlassenen Kantonistendekrete wurde Ivanovitch bereits im Kindesalter zur Armee eingezogen und musste dann einen Wehrdienst von 25 Jahren ableisten. Dies berechtigte ihn schätzungsweise auch zur Niederlassung in Kaluga, wo er nach dem Militärdienst zuerst als  Polizist und dann in einem Sägewerk arbeitete. Die Mutter Edelstadts, Katerina Fiodorovna, ernährte insgesamt sieben Kinder. Da in Kaluga nur die Sprösslinge wohlhabender Eltern das Gymnasium oder die Realschule besuchten und es für die Kinder niederer Klassen lediglich einige Grundschulen gab, wurde Edelstadt zusätzlich durch Privatlehrer in Russisch und Hebräisch unterrichtet. In dem Gedicht ''Familien-portret'', geschrieben um 1885, beschreibt Edelstadt seine Eltern: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hier ist die Mutter, die Leidende und Gute – &lt;br /&gt;
:ich erinnere mich an deine Gestalt:&lt;br /&gt;
:dein klarer Kopf, die Liebe deine,&lt;br /&gt;
:umflochten voller Sorge und Leid.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
:Und du mein Vater, in Gedanken verloren,&lt;br /&gt;
:grau und getreu,&lt;br /&gt;
:atmest von deinem Bild voll Zärtlichkeit,&lt;br /&gt;
:voll ehrlichem Patriarchat. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 247&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Kaluga beginnt Edelstadt auch seine Laufbahn als Dichter: &amp;quot;Ich war damals 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern in der Stadt Kaluga. Schon damals nannten mich meine Freunde und Bekannte „Poet“. Ich schrieb russische Gedichte. Meine Leidenschaft für Poesie, insbesondere für die russischen Dichter Nikitin und Nekrassow, wurde schon früh in meinem Herzen entfacht. Ich verbrachte viele Tage und Nächte über ihren meisterhaften Schilderungen über das Leiden und die Sorgen des russischen Volkes.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 19&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Von Kiew nach Amerika===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Jugendlicher geht Edelstadt nach Kiew, wo er in der Schusterei eines seiner älteren Brüder arbeitet. Es ist eine Zeit in welcher die zaristische Regierung die revolutionäre Bewegung bekämpft indem sie chauvinistische und antisemitische Einstellungen fördert. Am 8. Mai 1881 organisieren Regierungsstellen ein antijüdisches Pogrom in Kiew, das der junge Edelstadt miterlebt. Er wird daraufhin krank und muss in einem Spital behandelt werden. Die antisemitische Stimmung in Land nimmt in den Folgejahren zu. Die Stürme des Südens, wie die Pogrome in Kiew und Odessa später von jüdischen Autoren genannt werden sollten, veranlassten eine Auswanderungswelle unter der jüdischen Bevölkerung Russlands. Auch Edelstadt gehört dazu. Er schließt sich einer Studentengruppe an, die plant eine landwirtschaftliche Kolonie auf Basis des Kommunismus zu gründen und er will seinen Brüdern nahe sein, von denen bereits zwei in Vereinigten Staaten von Amerika leben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 30. Mai 1882 erreicht Edelstadt Philadelphia. Noch am gleichen Tag reist die Gruppe nach New York und nachdem sie am Bahnhof ausgestiegen sind, stellen sie sich in einer Reihe auf und singen revolutionäre Lieder. Es ist der Memory Day, an dem die amerikanische Bevölkerung ihren Gefallenen gedenkt und Umzüge abgehalten werden. Zuerst glauben die Neuankömmlinge, man hätte ihre Ankunft zum Anlass genommen eine Parade zu veranstalten, doch als sie von einheimischen Kindern mit Steinen beworfen werden, klärt sich dieses Missverständnis auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cincinnati===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt bleibt nicht lange in New York. Er trennt sich von der Siedlergruppe und fährt zu seinen Brüdern nach Cincinnati. Dort  erlernt er die Arbeit an einer Knopflochmaschine und gerät in das berüchtigte Sweatshop-System. Einer seiner Brüder, der eine gut bezahlte Stelle als Buchmacher hat, unterstützt ihn finanziell, denn Edelstadts normales Gehalt reicht zum Leben nicht aus. In Cincinatti macht Edelstadt die Bekanntschaft mit einer Reihe russischen Schneider. Unter ihnen befinden sich Radikale verschiedener ideologischer Richtungen, darunter Hilel Zolotarov, den späteren Mediziner und Theoretiker des nationalistischen Anarchismus. Noch sind die Arbeitsverhältnisse in diesen Kreisen kein besonderes Thema. Man streitet sich vor allem um Fragen der russischen, revolutionären Literatur und Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hinrichtung der [[Haymarket | Haymarket Märtyrer]] und der Kampf um den acht Stunden Arbeitstag katalysieren die radikalen Impulse innerhalb der jüdischen Arbeiterbewegung in Amerika und auch Edelstadt wird vom Kampf der amerikanischen Arbeitermassen und den Ereignisse in Chicago erfasst. Seine ideologischen Präferenzen ändern sich. Zuvor hatte er sich unter dem Einfluss seiner russischen Freunde in Cincinnati zum Folkisten entwickelt, der an die allgemein menschliche Gerechtigkeit und das allgemeine menschliche Gewissen glaubt. Die Hinrichtung der Haymarket Märtyrer treibt den 21 jährigen Edelstadt allerdings zur Verzweiflung, denn ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung begrüßt die Todesstrafe gegen die unschuldig Angeklagten, obwohl sie, in den Augen Edelstadts, lediglich für eine gerechte Sache kämpften. Mit Freunden gründet Edelstadt eine Gewerkschaft für Knopflocharbeiter, wofür er entlassen wird und als er sich für die inhaftierten Arbeiterführer in Chicago einsetzt, verhaftet man ihn. Die folgende Arbeitslosigkeit ist für Edelstadt sehr schwer, denn er ist erneut auf die Hilfe seiner Brüder angewiesen. Langsam verschwindet sein Traum vom besseren Leben in den Vereinigten Staaten und da er ein Cincinatti keine Anstellung findet, zieht er nach New York.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===New York===&lt;br /&gt;
Im November 1888 erreicht Edelstadt New York, wo zu jener Zeit eine Vielzahl politischer und ökonomischer Kämpfe toben. Einen Monat zuvor hatten sich die jüdischen Gewerkschaften in den „Fareynigte yidishe geverkshaftn“ zusammengeschlossen und somit an Schlagkraft gewonnen. Der Streit zwischen Sozialdemokraten und Anarchisten nimmt in jener Zeit zu und es beginnen die scharfe Debatten zwischen beiden ideologischen Gruppierungen. Edelstadt schließt sich der anarchistischen Gruppe Pionern der frayheyt an, zu denen auch der bekannte jiddische Dichter Morris Rosenfeld (1862-1932) gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Pionern der frayheyt, gegründet am 6. Oktober 1886, waren die erste jiddisch sprechende, anarchistische Gruppe in den Vereinigten Staaten von Amerika. Wenige Jahre nach ihrer Gründung, Anfang der 1890er, existierten bereits Ortsgruppen in mehr als sechs Großstädten. Neben Edelstadt und Rosenfeld gehörten [[Goldman, Emma| Emma Goldmann]] (1869-1940) und Saul Yanovsky (1864-1939) zu den prominenten Mitgliedern der Gruppe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt ist begeistert von New York. In einem Brief vom 11. November schreibt er: „In New York lebt es sich merkwürdig schnell. [...] An einem Tag in New York kann man so viel erleben, wie in fünf Jahren in der ruhigen, friedlichen Stadt Cincinnati.“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 43&amp;lt;/ref&amp;gt; In New York fühlt er „neues Leben, neue Kraft, die Lehre der Wahrheit, Selbstbildung und ein energisches Streben zum Licht“ - „besonders in jüdischen Kreisen.“ Edelstadt hört den sozialdemokratischen Redner Sergei Shevitch (1847-1911) und ist zu Tränen gerührt. Der Enthusiasmus der Masse gibt ihm das Gefühl „dass der Sozialismus kein Traum ist, keine Illusion, sondern die reale Zukunft des Volkes“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; Doch von der Begeisterung alleine kann Edelstadt nicht leben. Er findet keine Arbeit und durchlebt schwere Zeiten. In seinem ''Lid fun a proletarier'' dichtet er zu jener Zeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hast du keine Arbeit – schlecht!&lt;br /&gt;
:Es erstickt dich die Not.&lt;br /&gt;
:Hast du Arbeit – schlecht,&lt;br /&gt;
:denn sie ist schwer wie der Tot. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Not und Arbeitslosigkeit veranlassen Edelstadt zur Introspektion: Wofür bin ich auf der Welt, fragt er sich. Es ist „eine sehr schwere Frage mit einem Bart [...] Für einen Arbeiter ist sie schwer zu beantworten, doch noch schwerer ist es nicht zu verstehen für was, warum oder für wen man lebt.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 44&amp;lt;/ref&amp;gt; In einem zweiten Lied, ''Fartseykhnungen fun a proletarier'', schreibt er:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ich bin nicht geboren für süße Arien,&lt;br /&gt;
:für Rosen-Liebe oder für Glück.&lt;br /&gt;
:Ich bin auch kein Dichter, sondern Proletarier,&lt;br /&gt;
:ein Kind des Kampfes und der Fabrik. &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 45&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die letzten Tage===&lt;br /&gt;
[[bild: Edelstadts_Grabstein.jpg|thumb|right|200px|Foto: John J. Altman]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bergluft Kolorados tut dem lungenkranken Edelstadt nicht in dem Maße gut, wie er und seine Freunde hoffen. Am 25. Dezember 1891 schreibt er in einem Brief an H. Veynberg: „um meine Gesundheit steht es immer noch nicht zum Besten.“ Er „hustet und fühlt sich schwach.“  Zwei Monate später, am 20. Februar 1892, schreibt er dem gleichen Veynberg: „Ich habe ihnen bis jetzt nicht geschrieben, denn ich habe mich gesundheitlich sehr schlimm gefühlt. Doch jetzt fühle ich mich etwas besser und hoffe auf den Frühling und dass ich mich im Sommer von meiner Krankheit erhole.“ Auch um Edelstadts materielle Lage steht es nicht gut, jedoch nicht so schlecht „wie bei jenen Tausend, die kein Brot und kein Fleisch haben.“ Und am meisten plagt ihn in jener Zeit „das Leben ohne Tätigkeit, ohne Freunde, weit ab der lebendigen Welt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
XXXXXXXXXXXX&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Tod wird Edelstadt in einem Massengrab für Pauper auf dem Riverside Friedhof beerdigt.  Später bringt man ihn auf den Golden Hill Friedhof, wo der Workmen's Circle einen Grabstein stiftete. Darauf stehen, unter dem Bild und seinem Namen, die Verse seines Gedichts ''Meyn tsvah''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh guter Freund! Wenn ich sterben werde,&lt;br /&gt;
:tragt zu meinem Grab unsere Fahne -&lt;br /&gt;
:die freie Fahne mit roter Farbe,&lt;br /&gt;
:bespritzt mit Blut vom Arbeitsmann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und dort, unter dem roten Banner,&lt;br /&gt;
:singt mir mein Lied, mein Freiheitslied!&lt;br /&gt;
:Mein Lied &amp;quot;Im Kampf&amp;quot;, was klingt wie Ketten&lt;br /&gt;
:des versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In meinem Grab will ich auch hören,&lt;br /&gt;
:mein freies Lied, mein Sturmeslied,&lt;br /&gt;
:auch dort will ich Tränen vergießen,&lt;br /&gt;
:für den versklavten Christ und Yid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Und wenn ich die Schwerter klingen höre&lt;br /&gt;
:im letzten Kampf voll Blut und Schmerz -&lt;br /&gt;
:zum Volk will ich vom Grabe singen&lt;br /&gt;
:und will begeistern ihr Herz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Werk==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Poetik===&lt;br /&gt;
===Einflüsse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Antireligiöse Propaganda==&lt;br /&gt;
==Journalistische Tätigkeiten==&lt;br /&gt;
===Di vahrheyt===&lt;br /&gt;
[[bild: di_varheyt.png|thumb|left|180px|Di varheyt]]&lt;br /&gt;
''Di vahrheyt'', deren erste Ausgabe am 15. Februar 1889 erschien, war die erste jiddische Zeitung in den Vereinigten Staaten von Amerika, die von einer Arbeiterorganisation, den „Pionern der frayheyt“, herausgegeben wurde. Als Chefredakteur war ursprünglich der Vater der radikalen, politischen, jiddischen Dichtung Morris Winchevsky vorgesehen, als dies jedoch nicht klappte, übernahmen Joseph Jaffa (1853-1915) das Amt, der Jiddisch Übersetzer von ''Die Gottespest'', ''Onkel Toms Hütte'' und ''Der Graf von Monte Christo''. Zwei weitere Redaktionsmitglieder wurden ausgewählt: Hilel Zolotarov (1865-1921) und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadt hatte bis dahin nur russische Gedichte geschrieben. Die Mitarbeit in der Zeitung markiert Edelstadts Einstieg in die jiddische Literatur, denn er beginnt nun Gedichte in Jiddisch zu schreiben. Er beschreibt diesen Einstieg Jahre später so: „Für mich persönlich war das eine doppelte Herausforderung: Zusammen mit der ''Vahrheyt'' wurde auch meine jiddische Muse geboren, mein erstes jiddisches Gedicht. Als ich meine erste Begrüßung im Jargon für die ''Vahrheyt'' geschrieben habe, wusste ich noch nicht, dass meine russische Muse zu einer Jiddischen umgetauft wird und ich Israeliten zum Kampf aufrufen werde. Doch so bescherte es mir der Gott der Poesie, der golden gelockte Apollo, der, wie mir scheint, auch ein großer Antisemit sein muss, da er mir keine jiddische Muse gab.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 48&amp;lt;/ref&amp;gt;48&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts erstes Gedicht in Jiddisch ist ''Tsuruf tsur varheyt''. Es erscheint in der ersten Ausgabe der ''Vahrheyt'' am 15. Februar 1889. Da er noch keine Erfahrung mit jiddischer Dichtung hat, nimmt er Winchevskys ''Tsuruf tsum arbeter fraynd'' als Muster. Doch Edelstadt findet sich in der jiddischen Sprache gut zurecht und in seinem dritten Lied ''In kamf'' orientiert er sich formal an den russischen Liedern, die er bis dahin geschrieben hatte. Das Lied wird ein Erfolg. Ein Jahr später stellt Morris Rozenfeld, der erfolgreichste jiddische Arbeiterdichter jener Zeit, das Lied in eine Reihe mit Winchevskys ''Marselieze'' und bezeichnet beide Gedichte als proletarische Musterlieder. Rosenfeld bezieht sich auch intertextuell auf die beide Gedichte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Singt uns jetzt das Lied „Im Kampf“!&lt;br /&gt;
:Donnern soll die „Marsellaise“! &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 50&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edelstadts Tätigkeit für ''Di vahrheyt'' beschränkte sich nicht nur auf Dichtung. Er schreibt Adressen auf Postsendungen und erledigt anfallende redaktionelle Arbeiten. Als die Herausgabe des Blattes am 12. Juli 1889 eingestellt wird, zieht Edelstadt nach Cincinatti.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Di arbeter tsaytung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fraye arbeter shtime===&lt;br /&gt;
[[bild: Freiearbeiterstimme.png|thumb|center|2000px|Fraye arbeyter shtime (alte Schreibweise)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erste Ausgabe der ''Fraye arbeter shtime'' erschien am 4. Juli 1890. Erste organisatorische Schritte zur Veröffentlichung dieser Zeitung wurden am 12. Januar 1890 eingeleitet, als sich 200 Mitglieder der Internatsionale arbeter-federatsie trafen und beschlossen eine unparteiische Zeitung herauszugeben. Ursprünglich war der Name ''Der arbeter'' angedacht, doch drei Wochen später entschied man sich für den Namen ''Fraye arbeter shtime'' um die Unparteilichkeit der Zeitung hervorzuheben. Entsprechend dieses Grundsatzes wurde ein sozialdemokratischer und ein anarchistischer Redakteur benannt. Aufgrund der Vormachtstellung der sozialdemokratischen ''Arbeter tsaytung'' tendiert die Zeitung jedoch innerhalb kürzester Zeit zum anarchistischen Spektrum. Das Blatt hatte von Anfang an mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schuld daran war vor allem der Erfolg der jiddischen Wochenzeitung, die ''Arbeter tsaytung'', dann war die jiddische Sprachkompetenz der frühen Schreiber eher begrenzt und die Hurra-revolutionäre Haltung der Anarchisten begeisterte nur wenige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 25. Dezember kam es zur einer zweiten Konferenz. Edelstadt, der bis dahin regelmäßig Artikel und Gedichte beigesteuert hatte, wurde von der Redaktion dazu aufgefordert, teilzunehmen und dann bei der Neubesetzung der Redaktion, neben dem sozialdemokratischen Y. Aranovitsh, zum anarchistische Redakteur des Blattes ernannt. Entgegen seinen Überzeugungen - „Ikh ferkoyf nit meyn muze far gold!“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 90&amp;lt;/ref&amp;gt; - stimmt er einer Bezahlung von 5 Dollar pro Woche zu, doch er bekomt sie höchstens alle drei Wochen ausgezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der redaktionellen Vorgaben nimmt Edelstadt gegenüber der Sozialdemokratie vorerst eine versöhnliche Haltung ein und ruft zur Geschlossenheit auf. Innerlich lehnt er diese Haltung jedoch ab; er vertritt sie als pflichtbewusster Delegierter der Herausgebergruppe. Seine theoretischen Artikel sind jedoch streng anarchistisch. Einer seiner ersten Texte trägt den Titel ''Radikale tetigkeyt''. Darin macht er aus dem bekannten Marx/Engels Zitat „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ den Satz „Proletarier aller Länder bewaffnet euch!“. In dem Artikel ''Anarkhizm un komunismuz'', der kurze Zeit später erscheint, lehnt er, im Gegensatz zu der Lehre von Marx, jede Staatsform ab und negiert ausdrücklich die revolutionäre Rolle des Staates in Händen des Proletariats. Die Beseitigung des Kapitalismus muss durch eine Revolution erfolgen, der Kapitalismus „wird seine geraubten Reichtümer nicht freiwillig, sondern nur durch einen blutigen Kampf hergeben“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 93&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Der Streik scheint das geeignete Mittel für ihn zu sein -  vor allem der letzte große Streik, der Generalstreik und damit verbunden die soziale Revolution. In seinem Lied „Der letster shtreyk“ proklamiert er nicht „Brot oder Arbeit!“ sondern „Tot oder Freiheit!“ und:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Für diesen großen allweltlichen Streik,&lt;br /&gt;
:vereinigt euch Arbeitermassen -&lt;br /&gt;
:wenn ihr gewinnt erst das Sklaven-Brot,&lt;br /&gt;
:bleibt noch hungriger auf den Gassen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die redaktionellen Arbeiten erledigte Edelstadt sehr gewissenhaft. Er beschäftigte sich mit jedem eingehenden Text und wählte sie sorgfältig aus. In der Ausgabe vom 17. April beschreibt er seine Tätigkeit: &amp;quot;Es ist keine Kleinigkeit einen ganzen Stapel Artikel, eine ganze Wagenladung mit Gedichten und einen Berg von Gewerkschaftsnachrichten, Dankesbriefe und Beschwerdebriefe durchzulesen. Heute wieder Kopf zerbrechende, philosophische Fragen, wie z.b.: „Über uns sind die Wolken, über den Wolken ist der Himmel, was ist über dem Himmel?“&amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beschwerden stammen nicht selten von Anarchisten, die mit der unparteiischen Haltung der ''Fraye arbeter shtime'' unzufrieden sind und welche die Auffassung vertreten, dass der Kampf gegen die Sozialdemokratie und die ''Arbeter tsaytung'' in das Zentrum des Blattes gehört. Man beschimpft ihn als „Gentlemen“, als „poetischer Aristokrat“ und „weichherzigen Träumer“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 104&amp;lt;/ref&amp;gt;. Diese Beschwerden machen Edelstadt schwer zu schaffen, doch nicht nur das, er leidet unter Hunger und Kälte. Ab dem Herbst 1891 erscheinen keine Artikel mehr von ihm und wenig später auch keine Gedichte mehr. Am 23. Oktober erscheint ein Hilferuf für Edelstadt vom Verwalter der Zeitung Kopolev: „David Edelstadt hat alles gegeben – Zeit, Mühe, Gesundheit und Leben für die unterdrückten Arbeitermassen. Jetzt ist dieser Leib schwer verwundet. Er ist schwach, machtlos, im Ganzen zerbrochen. Er liegt und wartet auf sein trauriges Ende.“ &amp;lt;ref&amp;gt;Marmor, S. 148&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine der Ursachen für Edelstadts Krankheit war ein Besuch bei Johann Most, den man auf Blackwell Island inhaftiert hatte. Auf dem offenen Schiff, windig und naß, erkältete sich Edelstadt so stark, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort wird ihm Tuberkolose attestierte. Er wird nach Denver im Bundeststaat Kolorado gebracht, wo das Klima für Lungenkranke besser ist als in New York. Von dort schreibt er noch etliche Texte, die in der ''Fraye arbeter shtime'' veröffentlicht werden, bis die Herausgabe des Blattes im Juni 1892 für einen gewissen Zeitraum eingestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einige Gedichte==&lt;br /&gt;
===Wir werden gehasst und vertrieben===&lt;br /&gt;
:Wir werden gehasst und vertrieben,&lt;br /&gt;
:wir werden geplagt und verfolgt,&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir lieben&lt;br /&gt;
:das arme und leidende Volk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wir werden erschossen und gehenkt,&lt;br /&gt;
:man raubt uns das Leben und Recht&lt;br /&gt;
:und alles nur, denn wir fordern&lt;br /&gt;
:die Freiheit für den armen Knecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Aber wir werden uns nicht fürchten&lt;br /&gt;
:vor Gefängnissen und vor Tyrannei;&lt;br /&gt;
:wir werden die Menschheit erwecken;&lt;br /&gt;
:wir machen sie glücklich und frei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Schmiedet uns in eiserne Ketten,&lt;br /&gt;
:so blutig ihr uns auch reißt,&lt;br /&gt;
:ihr mögt unsere Körper töten,&lt;br /&gt;
:doch niemals unseren heiligen Geist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Mir veren gehast un getriben, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===An einen Freund===&lt;br /&gt;
:Das Schiff läuft zwischen rauschenden Wellen;&lt;br /&gt;
:der Sturm wird stärker mit jeder Minute;&lt;br /&gt;
:der Weg ist gefährlich... doch stark ist das Segel - &lt;br /&gt;
:ehrlicher Schiffer, verlier nicht den Mut!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Es werden als böser die kämpfenden Ströme:&lt;br /&gt;
:sie werfen das Schiff herauf und herab;&lt;br /&gt;
:etwas bewegt sich und hässliche Monster&lt;br /&gt;
:stecken die Köpfe heraus aus dem Nass.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sie reißen auf ihre blutigen Mäuler,&lt;br /&gt;
:doch schnell trägt der Sturm das Schiff weiter weg.&lt;br /&gt;
:Es blitzt und es donnert, es spannt sich das Segel,&lt;br /&gt;
:zwischen den Felsen liegt der schreckliche Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Siehst du von weitem die roten Signale?&lt;br /&gt;
:Bald kommt dir zu Hilfe die heilige Zeit!&lt;br /&gt;
:Der Morgen geht auf – verlass nicht das Ruder!&lt;br /&gt;
:Kämpf mit dem Sturm! Der Strand ist nicht weit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Tsu a fraynd, in: Moris Basin, Finfhundert yor yidishe poezy. New York: Dos bukh, 1917, S. 36&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anarchie===&lt;br /&gt;
:Eine Welt ohne Herrscher, ohne Ketten, ohne Tränen, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Liebe und Harmonie, &lt;br /&gt;
:wo des einen Glück wird des Zweiten nicht stören; &lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der niemand regiert &lt;br /&gt;
:über des anderen Arbeit und Müh;&lt;br /&gt;
:frei werden die Herzen und Seelen sein;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der Freiheit jeden beglückt, &lt;br /&gt;
:den Schwachen und Starken, den Er und die Sie, &lt;br /&gt;
:deins und meins wird niemanden drücken;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt in der die Liebe nichts weiß, &lt;br /&gt;
:vom schändlichem Handel, frei wird &lt;br /&gt;
:eine liebende Brust sie glücklich genießen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Kirchen und Synagogen, &lt;br /&gt;
:verwandelt werden in Ställe fürs Vieh, &lt;br /&gt;
:alle Galgen und Kerker werden zerschlagen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo der freie Geist aufbricht&lt;br /&gt;
:den finsteren Turm der Theologie, &lt;br /&gt;
:vernichten die Ursache aller Verbrechen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo Gewehre, Kanonen und Kronen, &lt;br /&gt;
:alle blutigen Zeichen der Monarchie, &lt;br /&gt;
:verlassen in Museen stehen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Eine Welt wo die Sonne erhebt, &lt;br /&gt;
:die Kunst, die Wissenschaft und die Industrie, &lt;br /&gt;
:eine Welt voller Wissen – nicht Glauben;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Geschätzt wird sein jedes menschliche Wesen, &lt;br /&gt;
:wie die ganze Menschheit, heilig wie sie, &lt;br /&gt;
:Freiheit wird alles erquicken, erlösen;&lt;br /&gt;
:das ist Anarchie! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: David Edelstadt. Anarkhizm, in: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907, S. 142&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gedichte über Edelstadt==&lt;br /&gt;
Die folgende Liste enthält eine Auswahl an Gedichten, die anlässlich des Todes oder in Bezug auf David Edelstadt entstanden sind. Das bekannteste dürfte Bovhovers ''Tsum andenkung fun dovid edelshtat'' sein, dass sich am Anfang zahlreicher postumer Gedichtsammlungen Edelstadts findet. Einige Gedichte, wie die von Rosenfeld und Winchevsky, beziehen sich kritisch auf Edelstadt und entstanden aus einem ideologisch gesteuerten Streit um die richtige Poetik. Bemerkenswert sind sicherlich auch die Gedichte von Glatshteyn und Leyeles, zwei Verteter der modernistischen Strömung innerhalb der jiddischen Literatur. In  den Gedichten wird Edelstadt produktiv rezipiert, zugleich markieren sie aber auch, insbesondere auf formaler Ebene, einen Bruch mit der Ästhetik für welche der anarchistische Arbeiterdichter steht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*N. M. Babad: 		Tsum poet. Gevidmet d. edelshtat&lt;br /&gt;
*N. M. Babad:	        In Memoriam of D. Edelstadt&lt;br /&gt;
*Moris Wintchevsky:	Drey polemishe lider. Tsu dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Moris Rosenfeld:	Tsu meyne kritiker&lt;br /&gt;
*Moris Hikvit:		Oykh a vanderer&lt;br /&gt;
*Josef Bovshover:	Tsum andenkung fun dovid edelshtat. Geshribn in dem tog fun zayn toyt&lt;br /&gt;
*S. Kohn:		In shturem&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Di frayheyt un die velt. Tsum andenk fun d. edelshtat&lt;br /&gt;
*Y. Zeylin:		Tsum poet&lt;br /&gt;
*Y.Sh.Prenovits:	Tsum ershte yortseyt&lt;br /&gt;
*Yitsok Reyngold:	Troyer-lid&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		Di balade fun denver sanatorium&lt;br /&gt;
*H. Leyvik:		O, gute freynd&lt;br /&gt;
*N.A. Sul:		Foroys vi di fon hot geflatert deyn lid&lt;br /&gt;
*Jakob Stodolski:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Kalmon Heyzler:        Y. bovshover – dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*L. Feynberg:		Di tsavoe fun a antoyshtn komunistn&lt;br /&gt;
*A. Almi:		Edelshtats letste minutn&lt;br /&gt;
*Z. Veynper:		Oyfn keyver fun dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Mit frume hent&lt;br /&gt;
*Yankev Glatshteyn:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*A. Leyeles:		Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
*N. Gros:		In oyfgang fun a neyes morgn&lt;br /&gt;
*Jacob Isaac Sigal:	Dovid edelshtat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kalmon Heyzler: Josef Bovshover – David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Josef Bovshover war ein Poet,&lt;br /&gt;
:David Edelstadt ein Feuerkomet,&lt;br /&gt;
:der bloß alle hundert Jahr&lt;br /&gt;
:wird ehrlich und wahr.&lt;br /&gt;
:Gleich einem Feuerschweif in der Nacht,&lt;br /&gt;
:ruft er zum Kampf und ruft er zur Schlacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:So hat David Edelstadt mit seinen Gedanken&lt;br /&gt;
:und Josef Bovshover mit seinem Gesang -  &lt;br /&gt;
:angezündet die Welt von allen vier Seiten&lt;br /&gt;
:angezündet ein Licht auf ewige Zeiten,&lt;br /&gt;
:für die, die stolz zum Galgen gehen&lt;br /&gt;
:mit dem Arbeiterschwur stolz auf den Lippen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In der Geschichte steht geschrieben ein Blatt&lt;br /&gt;
:über Josef Bovshover und David Edelstadt.&lt;br /&gt;
:Das Blatt ist von Herzblut rot gefärbt&lt;br /&gt;
:und prophetische Rede ist tief eingekerbt.&lt;br /&gt;
:Es starren die Wörter und erzählen von weitem&lt;br /&gt;
:die Nachricht von Regenbogenzeiten.&lt;br /&gt;
:Wecken und trösten, trösten und wecken,&lt;br /&gt;
:bis das Böse und Schlechte wird enden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N. M. Babad: An den Poeten. Gewidmet David Edelstadt===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Weine nicht, ich bitte dich, unglücklicher Bruder.&lt;br /&gt;
:Wisch ab deine Tränen, vergiss deinen Schmerz.&lt;br /&gt;
:Fühlst du, wie deine traurigen Lieder,&lt;br /&gt;
:mir Stücke schneiden aus meinem Herz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Oh, du hast auf deinem Weg viel gelitten,&lt;br /&gt;
:schreckliches Unglück, viel Elend und Not.&lt;br /&gt;
:Dich jagten und drückten die Parasiten;&lt;br /&gt;
:du hast gekämpft auf Leben und Tot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ächzend, seufzend klingen die Saiten&lt;br /&gt;
:auf deiner alten, zerbrochenen Fiedel.&lt;br /&gt;
:Sie spielt uns Melodien – bitteren Jammer,&lt;br /&gt;
:sie spielt uns ein jämmerlich, weinendes Lied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Doch ich, ich bin jung und fang an zu leben.&lt;br /&gt;
:Ich will die lichte Seite der Welt sehen.&lt;br /&gt;
:Mein Herz will vor allem hoffen und glauben.&lt;br /&gt;
:Lass mich, ich bitte dich, träumen vom Glück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Hörst du, wie fröhlich die Vögel singen,&lt;br /&gt;
:in rauschenden Wäldern, im blühenden Feld.&lt;br /&gt;
:Siehst du wie Kinder tanzen und springen,&lt;br /&gt;
:alles ist munter, freut sich und wächst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Sing mir, wie sie, von dem Frühling, dem süßen.&lt;br /&gt;
:Vergesse den Winter – er ist noch ganz weit.&lt;br /&gt;
:Ich will in dem Leben von allem genießen,&lt;br /&gt;
:denn ich bin noch jung und ich hab noch Zeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Autor: [[Benutzer:Marcel_G|Marcel Gruber]]'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bibliographie==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellen==&lt;br /&gt;
*Battenberg, Friedrich: Das Europäische Zeitalter der Juden. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1990.&lt;br /&gt;
*Basin, Morris: Antologye. Finf hundert yohr yidishe poezie. 2. Aufl. New York: Dos bukh, 1917.&lt;br /&gt;
*Bialostotzky, B.J.: Dovid edelshtat gedenk bukh. New York: The Edelstat-Memorial-Committees, 1953.&lt;br /&gt;
*Edelstadt, David: Edelshtat's folks-gedikhte. Naye folshtendige oysgabe fun alle zayne lieder, New York: Hebrew Publishing Company, 1907.&lt;br /&gt;
*Marmor, Kalmon: Dovid Edelshtat. New York: Yidisher Kultur-Farband YKUF, 1950.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Themenverwandte Beiträge im Lexikon der Anarchie ==&lt;br /&gt;
* [[Judentum und Anarchismus]]&lt;br /&gt;
* [[Josef Bovshover]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
*[http://www.yivo.org Bibliothek des YIVO Institute for Jewish Research]&lt;br /&gt;
*[http://www.archive.org/details/nationalyiddishbookcenter National Yiddish Book Center]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Copyright}}&lt;br /&gt;
'''[[Portal Personen|Lexikon der Anarchie: Personen]]'''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Marcel G</name></author>	</entry>

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