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"Die Anarchie ist das Leben der Menschen, die dem Joche entronnen sind": Unterschied zwischen den Versionen

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[[Landauer,_Gustav|Gustav Landauer (1870-1919)]] gehört sicherlich nicht zu den lautesten der libertären Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, aber mit Sicherheit zu den profiliertesten.  Und was wohl weniger bekannt ist, ist, dass Landauer in der Zeit von 1889-1917 – also die längste Zeit seines Lebens in Berlin tätig war. Die meisten verbinden Gustav Landauer mit seiner kurzen Zeit in München während der Räterepublik als Volksbeauftrager, der nach der Niederschlagung der Revolution durch Freikorps-Schergen nach seiner Verhaftung brutal erschlagen wurde.
 
[[Landauer,_Gustav|Gustav Landauer (1870-1919)]] gehört sicherlich nicht zu den lautesten der libertären Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, aber mit Sicherheit zu den profiliertesten.  Und was wohl weniger bekannt ist, ist, dass Landauer in der Zeit von 1889-1917 – also die längste Zeit seines Lebens in Berlin tätig war. Die meisten verbinden Gustav Landauer mit seiner kurzen Zeit in München während der Räterepublik als Volksbeauftrager, der nach der Niederschlagung der Revolution durch Freikorps-Schergen nach seiner Verhaftung brutal erschlagen wurde.
  
Aber Landauer war mehr als nur ein politischer Aktivist. Er war Schriftsteller, Übersetzer, Philosoph, Redakteur, Essayist, Pazifist und Theoretiker eines libertäre Sozialismus, der aufbauend auf einem wissenschaftlichen, ethischen Anarchismus von [[Peter Kropotkin]] sich auch mit einer freiheitlichen Pädagogik beschäftigte, ebenso, wie die "Volksbühnenbewegung" unterstützte und förderte und den Genossenschaftsgedanken vorantrieb.
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Aber Landauer war mehr als nur ein politischer Aktivist. Er war Schriftsteller, Übersetzer, Philosoph, Redakteur, Essayist, Pazifist und Theoretiker eines libertäre Sozialismus, der aufbauend auf einem wissenschaftlichen, ethischen Anarchismus von [[Kropotkin,_Pjotr_Alexejewitsch|Peter Kropotkin]] sich auch mit einer freiheitlichen Pädagogik beschäftigte, ebenso, wie die "Volksbühnenbewegung" unterstützte und förderte und den Genossenschaftsgedanken vorantrieb.
  
 
Es bedarf wahrlich dieser 24 Ausstellungstafeln, die sich thematische mit den unterschiedlichsten Gebieten beschäftigen, in den Landauer bis in unserere Zeit hinein wirkt. Autor*innen unterschiedlicher Provinence haben sich hier zusammengefunden und die – zugegeben etwas textlastigen Tafeln – zu erstellen, was die Ausstellung sehr reizvoll macht und dokumentiert, dass ein anarchistisches Thema auch über die eigene Szene hinaus von Interessen sein kann. Hierfür gebührt der Denkmalinitiative ein großes Lob, denn oftmals ist selbst innerhalb der libertäre Szene es nicht einfach alle wichtigen Menschen in ein Projekt zu vereinen.
 
Es bedarf wahrlich dieser 24 Ausstellungstafeln, die sich thematische mit den unterschiedlichsten Gebieten beschäftigen, in den Landauer bis in unserere Zeit hinein wirkt. Autor*innen unterschiedlicher Provinence haben sich hier zusammengefunden und die – zugegeben etwas textlastigen Tafeln – zu erstellen, was die Ausstellung sehr reizvoll macht und dokumentiert, dass ein anarchistisches Thema auch über die eigene Szene hinaus von Interessen sein kann. Hierfür gebührt der Denkmalinitiative ein großes Lob, denn oftmals ist selbst innerhalb der libertäre Szene es nicht einfach alle wichtigen Menschen in ein Projekt zu vereinen.

Version vom 1. Mai 2019, 18:02 Uhr

Die DadA-Buchempfehlung

Buchcover: 1904161 Katalog Landauer-Ausstellung Berlin 2019.png
Titel: "Die Anarchie ist das Leben der Menschen, die dem Joche entronnen sind"
Untertitel: Gustav Landauer in Berlin 1889-1917. Ausstellungskatalog
Editoriales: Herausgegeben von der Gustav-Landauer-Denkmalinitiative.
Verlag: Gustav-Landauer-Denkmalinitiative
Erscheinungsort: Berlin
Erscheinungsjahr: 2019
Umfang, Aufmachung: 59 Seiten, Klammerbindung.
Preis: 5,00 EUR
Direktkauf: bei aLibro, der Autorenbuchhandlung des DadAWeb

Besprechung

Gustav Landauer zu Ehren

"Endlich!", möchte man ausrufen, erfährt Gustav Landauer in Deutschland etwas Aufmerksamkeit – dafür brauchte es immerhin den 100. Todestag des libertären Sozialisten. Dabei ist das Spektrum der Aktivitäten Landauers so zahlreich, wie bei kaum einen anderen politischen Aktivisten seiner Zeit.

Eine kleine aber feine Ausstellung im Rathaus Kreuzberg vom 28. März bis 9. Mai 2019 eröffnet eine ganze Reihe von Aktivitäten rund um den 100. Todestag Landauers am 2. Mai in Berlin. Eine Handvoll Anarchisten hatte sich Anfang 2015 mit der Gründung der "Gustav Landauer Denkmalinitiative (Berlin)" vorgenommen ein Landauer-Denkmal als einen "Denkort für Freiheit und Selbstbestimmung" zu errichten. Wie immer bei solchen Vorhaben – mal abgesehen von notorischem Geldmangel – sind die Hürden oft hoch und der Wege dahin steinig. Aber sie haben viel erreicht.

Für das Denkmal soll jetzt bis zum 150. Geburtstag Landauers am 7. April 2020 ein dauerhafter Standort gefunden werden. Bis dahin wurde erst mal eine Ausstellung realisiert, die professionell gemacht, einen hervorragenden Überblick über das Leben und die Aktivitäten Landuers bietet. Zu dieser Ausstellung ist zeitgleich ein kleiner Katalog erschienen, der die 24 Tafel der Ausstellung wiedergibt und z.T. um erweiterte Texte ergänzt wurde.

Gustav Landauer (1870-1919) gehört sicherlich nicht zu den lautesten der libertären Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, aber mit Sicherheit zu den profiliertesten. Und was wohl weniger bekannt ist, ist, dass Landauer in der Zeit von 1889-1917 – also die längste Zeit seines Lebens in Berlin tätig war. Die meisten verbinden Gustav Landauer mit seiner kurzen Zeit in München während der Räterepublik als Volksbeauftrager, der nach der Niederschlagung der Revolution durch Freikorps-Schergen nach seiner Verhaftung brutal erschlagen wurde.

Aber Landauer war mehr als nur ein politischer Aktivist. Er war Schriftsteller, Übersetzer, Philosoph, Redakteur, Essayist, Pazifist und Theoretiker eines libertäre Sozialismus, der aufbauend auf einem wissenschaftlichen, ethischen Anarchismus von Peter Kropotkin sich auch mit einer freiheitlichen Pädagogik beschäftigte, ebenso, wie die "Volksbühnenbewegung" unterstützte und förderte und den Genossenschaftsgedanken vorantrieb.

Es bedarf wahrlich dieser 24 Ausstellungstafeln, die sich thematische mit den unterschiedlichsten Gebieten beschäftigen, in den Landauer bis in unserere Zeit hinein wirkt. Autor*innen unterschiedlicher Provinence haben sich hier zusammengefunden und die – zugegeben etwas textlastigen Tafeln – zu erstellen, was die Ausstellung sehr reizvoll macht und dokumentiert, dass ein anarchistisches Thema auch über die eigene Szene hinaus von Interessen sein kann. Hierfür gebührt der Denkmalinitiative ein großes Lob, denn oftmals ist selbst innerhalb der libertäre Szene es nicht einfach alle wichtigen Menschen in ein Projekt zu vereinen.

Einen kleinen Wermutstropfen hätte ich aber noch – selbst wenn der nicht schwerwiegend ist: Ich hätte mir einen von der Aufmachung her schöneren Katalog gewünscht, vielleicht in Zusammenarbeit mit einem Verlag, der mehr Möglichkeiten gehabt hätte ein äußeres Erscheinungsbild besser zu realisieren. Aber: Der Katalog selbst ist natürlich auch ein Ausdruck der beschränkten finanziellen Möglichkeiten, die die Denkmalsinitiative hat, und dafür ist er gut gelungen. Die Hoffnung, dass es in Berlin ein Denkmal für die libertäre Idee gibt erscheint realistisch und ist längst überfällig. Und dafür gebührt der beharrlichen Initiave der größte Respekt und Dank.

Jochen Knoblauch

INHALT

  • Gustav Landauer Denkmalinitiative, Gustav Landauer, Karlsruhe - Berlin - München [5]
  • Christoph Knüppel, Herkunft, Studium und Politisierung [7]
  • Tilman Leder, Der Weg zum Anarchismus und die Revolte der "Jungen" [10]
  • Tilman Leder, Redakteur des "Sozialist" [12]
  • Jan Rolletschek, Die Kunst dem Volke [14]
  • Jean Paulinski, Die Akte "Landauer" [17]
  • Siegbert Wolf, Die Konsumgenossenschaft "Befreiung" [20]
  • Gertrude Cepl-Kaufmann, Die Müggelseerepublik in Friedrichshagen [23]
  • Rolf Kauffeldt, Die neue Gemeinschaft [26]
  • Birgit Seemann, Der Bund mit Hedwig Lachmann [28]
  • Corinna R. Kaiser, Der unbekannte Literat [31]
  • Gustav Landauer, Aufruf zum Sozialismus (Auszüge) [33]
  • Tilman Leder, Der sozialistische Bund [35]
  • Hanna Delft von Wolzogen, Der dritte Sozialist [37]
  • Ulrich Klemm, Freie Schulen gilt es zu schaffen [39]
  • Jan Rolletschek, Philosophie und Judentum [42]
  • Sebastian Kunze, Judentum und Sozialismus [44]
  • Siegbert Wolf, Aufbruch der Jugend [46]
  • Erik Natter, Engagement gegen den Krieg [48]
  • Peter Seyferth, Räterepublik in München [50]
  • Erik Natter, Die Ermordung: Ein Kapitel Bestialitäten [52]
  • Erik Natter, Gedenken und Nachwirkung in der Weimarter Republik [54]
  • Anatole Lucet, Wiederentdeckung in der Literatur [56]
  • Elisabeth Voß, Nachwirkung in alternativen Bewegungen [58]



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